Bővebb ismertető
i. Die Gunther-Kontroverse
Wenn mit der Geschichte der Eroberung von Konstantinopel des
Gunther von Pairis eine neue Schrift und ein neuer Schriftsteller
in die Sammlung der „Geschichtschreiber der deutschen Vorzeit4Ä
einzieht, dessen lateinische Texte noch nicht in den ,,Monumenta
Germaniae Histórica" erschienen sind, so handelt es sich bei ihm
um eine im letzten Jahrhundert in der historischen Wissenschaft
heftig umstrittene Persönlichkeit. Nicht, daß die vorliegende
Schrift selbst ein Gegenstand des Streites gewesen wäre; aber daß
sie in die Kontroverse um den Ligurinusdichter hineingezogen
worden ist, ist der Erkenntnis ihres Eigenwertes vielleicht doch
nicht eben zuträglich gewesen.
Es ist hier nicht der Ort, den gesamten Komplex von Fragen, die
sich um die Gestalt des Ligurinusdichters gebildet haben, von
neuem aufzurollen; vor allem erübrigt es sich, auf die Echtheits-
frage des „Ligurinus" einzugehen, da sie längst eindeutig in posi-
tivem Sinne entschieden ist. Über den Dichter selbst aber muß
einiges gesagt werden.
Der heutige Stand der Dinge läßt sich in folgenden Linien um-
reißen. Uns liegen unter dem Namen eines Mönchs und ehemali-
gen Scholastikus Gunther von Pairis die hier übersetzte Schrift
über den vierten Kreuzzug und seine religiöse Schrift über Gebet,
Almosen und Fasten vor. Uns ist ein umfangreiches Epos auf die
Taten Kaiser Friedrich Barbarossas unter dem Titel „Ligurinus"
überliefert. Von dem gleichen Dichter stammt ein Epos „Soly-
marius", das den ersten Kreuzzug behandelt; von ihm ist jedoch
nur ein kurzes Bruchstück von rund 3oo Versen erhalten.
An diesen Stand der Überlieferung knüpfen sich, seitdem die Echt-
heit des „Ligurinus" nicht mehr bestritten werden kann, zwei
Fragen: Hat der Verfasser des „Ligurinus" als unbekannt zu
gelten oder heißt er Gunther, wie die Subscriptio der von Peu-
tinger besorgten Erstausgabe von x5o7 und gleichzeitige Gelehrte