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I. Die Aktualität Preußens
In diesem Abriß, dieser Skizze einer Geschichte Preußens wird der Versuch unternommen, neue Forschungsansätze, wie sie in den letz-ten - sagen wir - zwei Jahrzehnten von Historikern und Histori-kerinnen ganz unterschiedlicher wissenschaftlicher Herkunft erarbeitet worden sind, zu einem Gesamtbild zu verdichten. Mit anderen Worten: Es sollte erprobt werden, ob diejenigen Thesen und Akzente, die die neue wissenschaftliche Befassung mit dem „alten" Thema Preußen in der archivischen Arbeit zutage gefördert hat, gewissermaßen in eine neue Gesamtdarstellung eingefügt, vielleicht gar zu einer moderneren Neuinterpretation zusammengefügt werden können. Es verstand sich dabei von selbst, daß die klassische, ältere quellengestützte Forschung, da, wo sie nach wie vor den Kenntnisstand bestimmt, zugrunde gelegt werden muß. Es ist nun aber Zeit für den Versuch einer neuen Synthese.
Lange Zeit wiarde über Preußen mehr geredet als geforscht. Meinungen überwuchern Kenntnisse. Preußen wurde für die einen zur Weltanschauung, ja zum Konfessionsersatz, für andere zu einer politisch-kulturellen Gefährdung, der entweder durch Stigmatisierung oder durch geschichtspolitische Eliminierung beizukommen sei. Preußen macht manchmal euphorisch, bei anderen schürt es Ängste. Denn das steht fest: Nach dem Ende der staatlichen Existenz Preußens, nach den Zäsuren der Jahre 1932, 1933 und 1947, behielt die preußische Historie gleichwohl gesellschaftliche Brisanz: gesellschaftliche, denn in unkalkulierbaren Schüben zeigt sich eine schwer bestimmbare, schwer ergründbare Nachfrage nach Informationen über Themen, die integral zur preußischen Historie gehören. Einschlägige Lehrveranstaltungen waren gut besucht, nicht nur in Berliner Universitäten, sondern sie sind es auch im Westen und Süden der östlicher gewordenen Bundesrepublik. Ausstellungsprojekte werden nachgefragt, Jubiläen produzieren Konjunkturen und - bisweilen politische - Irritationen. Preußen will, so scheint