Bővebb ismertető
Als am 3. Oktober die staatliche Einheit Deutschlands wiederhergestellt war, hatte die unnatürliche, für viele Menschen leidvolle Teilung nach mehr als vier Jahrzehnten ihr Ende gefunden. Damit war der Auftrag erfüllt, den die Mütter und Väter des Grundgesetzes in seiner Präambel formuliert hatten: »Das gesamte Deutsche Volk bleibt aufgefordert, in freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands zu vollenden.« Erst ein Jahr war vergangen, seitdem viele Menschen auf den Straßen und Plätzen der DDR in gewaltfreien Protestdemonstrationen ihre Absage an den SED-Staat mutig zum Ausdruck gebracht hatten. Sie leiteten damit einen Prozeß grundlegender politischer, ökonomischer und sozialer Veränderungen ein, der in der ersten freien Wahl zur Volkskammer am 18. März 1990 ein wichtiges Orientierungsdatum erreichte: Die Bevölkerung der DDR entschied sich in ihrer überwältigenden Mehrheit für die Parteien, die für die Wiedervereinigung Deutschlands eintraten.
Mit Zustimmung der internationalen Staatengemeinschaft und in Übereinstimmung mit den Vier Mächten ist es in kurzer Frist gelungen, die vertragsrechtlichen Voraussetzungen für die staatliche Einheit Deutschlands zu schaffen. Erst allmählich wurde deutlich, wie groß die politischen, ökonomischen und sozialen Aufgaben sind, diese Einheit konkret zu gestalten, die Einheitlichkeit der Lebensverhältnisse in ganz Deutschland herzustellen. Die Last der Vergangenheit hat tiefe Spuren hinterlassen. Es gilt, die verhängnisvollen Folgen des Überwachungsstaats, von politischer Unterdrückung und ökonomischer Fehlentwicklung, zu überwinden. Es gilt, funktionsfähige demokratische Institutionen und eine effiziente Verwaltung zu etablieren. Der Aufbau einer rechtsstaatlich verfaßten Justiz, die Reorganisation des Bildungswesens, die Erneuerung der Universitäten und Hochschulen, die Einführung der Sozialen Marktwirtschaft, die Lösung der sozialen Probleme, die mit der Transformation der Wirtschaftsordnung verbunden sind, bilden zentrale Aufgaben der aktuellen Politik im vereinigten Deutschland, die nur in gemeinsamer Verantwortung erfolgreich bewältigt werden können.
Mit dem vorliegenden Sammelband zur »Gestaltung der deutschen Einheit« ist beabsichtigt, eine breit angelegte Zwischenbilanz zu ziehen und damit zum Verständnis der aktuellen Situation beizutragen. Dieses Buch ist ein Gemeinschaftswerk von Autoren aus den neuen und alten Bundesländern, das sich vornehmlich auf die Bereiche Politik, Recht, Wirtschaft, Bildung, Wissenschaft und Kultur konzentriert. Die einleitenden Beiträge informieren über die Geschichte der deutschen Teilung. Sie enthalten einen Überblick über die Entwicklung der deutsch-deutschen Beziehungen und analysieren die Gründe für das Scheitern der SED-Diktatur. Der Schlußteil reflektiert die Probleme, die mit einer Aufarbeitung der DDR-Geschichte verbunden sind und verweist auf den Zusammenhang zwischen deutscher Einheit und europäischer Einigung.
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