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Das Kloster
Ich war ein Kind von fünf Jahren und wohnte in einer Ideinen stillen Stadt, und meine Kindheit war nodi stiller als diese Stadt. Eines Tages aber begann ein grauer Strom zu fluten durdi die Straße, auf die idi blidcen konnte, und die Mutter sagte: »Sieh, unsere Soldaten! Wie tapfer sie marsdiieren.« Der graue Soldatenstrom hielt viele Stunden und viele Tage an; die Stadt war plötzlidi laut von Stampfen, von Gerassel und rauhem Gesang. Audi den Näditen war die Ruhe geraubt. Lastzüge rollten knatternd vorbei, und Rufe durdistießen überall das Dunkel. Das Kind, das allein in seinem Zimmer lag und sdilafen sollte, spürte das Fieber und das Ungewisse in der Luft. Es ängstigte sidi vor dem, was es nidit kannte und was die Großen den » Krieg« nannten. Eines Tages war audi der Vater fortgezogen, und nun verließ meine Mutter mit mir die Stadt. Wir fuhren eine Weile mit der Bahn, dann stiegen wir aus an einem kleinen Bahnhofe, vor dem ein bunter Hahn stand und krähte. Dies war mir ein neuer Klang und galt mir als freudige Verheißung. Dann kam eine Postkutsdie, sonnengelb, mühsam zu besteigen. Sie führte uns über viele Hügel duidi eine sanfte, herbstlidi leere Landsdiaft. Hinter jedem Hügel lag ein Tal, und von Tal zu Tal wurde die Luft stiller. Als wir in der früh beginnenden Dämmerung auf einem Berge Dorf und Kloster Sankt Georgen mit abendlidi blauen Mauern und Türmen liegen sahen und endlidi durdi einen Torbogen fuhren und die Kutsdie im Klosterhof anhielt, da war nidits mehr als nur Stille. Idi war dessen sidier, daß dieser Ort unerreidibar war für Krieg, Angst und Lärm. So-
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