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Vorwort
Als mir im Jahre 1967 erstmals Peter Scotts „Farbiger Bestimmungsschlüssel für das Wassergeflügel der Welt" zu Gesicht kam, war ich davon begeistert. Der Gedanke drängte sich mir auf, daß man etwas Ähnh-ches auch für die Greifvögel erstellen müsse. Dieser faszinierenden Ordnung Falconiformes gilt mein Interesse und ein großer Teil meiner Freizeit schon seit über fünfundzwanzig Jahren. Sie hält mich noch immer in ihrem Bann.
Die stetige, anscheinend unaufhaltsame Dezimierung der Greifvögel in nahezu allen Teilen unserer Erde ist ein deprimierender Vorgang. Der Rückgang ihres Bestandes als Folge wahllosen Gebrauchs chemischer Mittel zur Schädlingsbekämpfung im Verein mit der Zerstörung ihrer natürlichen Lebensräume wird noch beschleunigt durch die gewissenlose Wegnahme von Eiern und Aushorstung von Greifvogelgelegen. An dieser Stelle sollte ein Wort gesagt werden zu den Bemühungen, Greifvögel in Gefangenschaft zu halten. Dieser schwierigen Aufgabe sollten sich nur Fachleute unterziehen, denen die Kenntnisse und die Mittel dafür zu Gebote stehen. Von echten Falknern betriebene Falkenhöte und andere qualifizierte Zuchtstätten haben beachtliche Zuchterfolge vor allem bei stark bedrohten Arten vorzuweisen. Groß aber ist die Zahl der Greifvögel, und sie wächst beständig, die in unwürdiger Gefangenschaft dahinvegetieren und schließhch verenden, ohne der Erhaltung ihrer Art gedient zu haben. Aufklärung über die Biologie und die Ökologie der Greife sollte dieser Entwicklung entgegenwirken. Vor diesem Hintergrund entstand mein Buch aus dem Bedürfnis heraus, diese einzigartige Vogelgruppe mit Pinsel und Zeichenfeder festzuhalten, solange sie in der freien Natur, in Zoos, Falkenhöfen und wo sonst noch immer zu sehen sind.
Dabei kam es mir sehr zustatten, daß ich dank der Fürsprache des unvergessenen Professor Doktor Strese-mann im Jahr 1969 als Illustrator für das von Professor Doktor U. N. Glutz von Blotzheim herausgegebene „Handbuch der Vögel Mitteleuropas" tätig werden und so wertvolle Erfahrungen sammeln konnte. Die Vogehafeln wollen keine Gemälde sein, sondern Farbskizzen zur Bestimmung von Arten und Rassen in Anlehnung an das vielfach bewährte „Petersonsche" Darstellungsschema. Unter diesem Aspekt sollten sie betrachtet werden. Um echte Vergleiche zwischen den dargestellten Arten anstellen zu können, war es nötig, alle Vögel in derselben Ansicht, oft mit gewollt leicht gespreiztem Flügel und Schwanz, letzteren etwas zum Betrachter „gedreht", darzustellen. Nur so war es möglich, alles Wesentliche zu zeigen.
Da dieses Buch in erster Linie als Arbeit eines Vogelmalers und -Zeichners verstanden sein will, wurde der Text knapp gehalten. Er beschränkt sich auf Tabellen, Bestimmungsschlüssel und eine systematische Übersicht der Gattung. Die systematische Richtschnur sowohl in der Beschreibung der Gattung als auch in der Reihenfolge der Arten bildeten ausschließlich die Werke von L. H. Brown und D. Amadon „Hawks und Falcons of the World" sowie von M. L. Grossmann und I. Hamlet „Birds of Prey of the World". Die Tabellen sollen nicht nur Lücken aufeeigen, sondern auch zum Ergänzen anregen: Ihr Aufbau entspricht dem der Farbtafeln. Vögel, welche im oberen Teil der Tabelle aufgeführt sind, finden sich auch im oberen Teil der gegenüberliegenden Farbtafel. Um möglichst übersichtlich und umfassend verwandte Arten und Formen zu zeigen, wurden diese wenn möglich auf einer Farbtafel zusammengefaßt. Dies Ueß sich aus Platzgründen in einigen Fällen nicht realisieren. So mußten zum Beispiel zusammen mit Fischadler und Sekretär oder mit den Dickfuß- und einigen Waldadlem diese weniger nahestehenden Arten auf jeweils einer Tafel untergebracht werden.
Auf eine Abbildung von Flugbildern wurde bewußt verzichtet. Diese sind zum Beispiel in „Birds of Prey of the World" oder für Europa im „Handbuch der Vögel Mitteleuropas" beziehungsweise in „Flight-Identifica-tion of European Raptors" in reichlichem Maße abgebildet.
Abbildungen von Rassen wurden auf den Farbtafeln nur dort berücksichtigt, wo deutliche Unterscheidungsmerkmale im Habitus gegeben sind, nicht aber, wenn diese nur auf Unterschiede in den Maßen basieren.
Darüberhinaus sind Juvenil- und Immaturkleider sowie Farbphasen dargestellt oder beide Geschlechter bei deutlichem Sexualdimorphismus in der Färbung. Der Wunsch, möghchst die ganze Vielfalt an Formen und Kleidern der Greifvögel darzustellen, war aus verschiedenen Gründen unausführbar. Als Beispiel seien hier nur die über Jahre dauernden, komplizierten Mauserstadien von Immatur- und Subadultkleidern vieler Großgreife erwähnt. Hier wurden mir Grenzen gesetzt, die aus Platzgründen, aber auch um nicht zu sehr Verwirrung zu stiften, eingehalten werden mußten. Großer Wert wurde auf die Wiedergabe von Irisfarben und nackten Körperteilen gelegt, da es gerade hierbei in vielen Feldführern häufig zu fehlerhaften Darstellungen kam. Rassen, die nicht abgebildet wurden, kann man in den Tabellen sofort daran erkennen, daß deren Namen in gewöhnlicher, magerer Schrift gesetzt wurden. Die deutschen Vogelnamen der europäischen Arten sind weitgehend aus Petersons „Die Vögel Europas" übernommen. Für die außereuropäischen Arten fanden