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Edward Haslatt war ein ebenso kluger wie vorsichtiger junger Mann. Als er sich eines schönen Morgens von seinem Bett erhoben hatte, war er durchaus nicht zu einem Heiratsantrag entschlossen. Doch er gab zu, daß es dahin kommen könnte. Wenn der Tag schön war, wenn er selber guter Laune war, wenn Margaret freundlich war, wenn sie genau jene Stelle fanden, die er für ein Picknick zu finden wünschte, dann mochte es sehr wohl geschehen, daß er sie fragte, ob sie ihn heiraten wolle. Sollten aber nicht alle diese Einzelheiten günstig sein,...
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Edward Haslatt war ein ebenso kluger wie vorsichtiger junger Mann. Als er sich eines schönen Morgens von seinem Bett erhoben hatte, war er durchaus nicht zu einem Heiratsantrag entschlossen. Doch er gab zu, daß es dahin kommen könnte. Wenn der Tag schön war, wenn er selber guter Laune war, wenn Margaret freundlich war, wenn sie genau jene Stelle fanden, die er für ein Picknick zu finden wünschte, dann mochte es sehr wohl geschehen, daß er sie fragte, ob sie ihn heiraten wolle. Sollten aber nicht alle diese Einzelheiten günstig sein, so würde er warten; das hatte er beschlossen. Schließlich hatte er ja seine Erfahrungen hinter sich. Wenn sie auch heute wieder »Nein« sagte, so wäre es das dritte Mal, und er würde aufhören, an sie zu denken. Das heißt, er hoffte, daß er aufhören würde, an sie zu denken. Während er sich mit großer Sorgfalt anzog, einen Blick auf die Welle seines braunen Haars und auf die Farbe der Krawatte warf, die im Gegensatz zu seinen ruhigen braunen Augen blau war, dachte er über seine Neigung zur Treue nach, die schon mehr Eigensinn war. Ohne diesen Charakterzug würde er sich gewiß nicht so weit gedemütigt haben, ein Mädchen zweimal um ihre Hand zu bitten, ihre Ablehnung hinzunehmen und nun eine neue Demütigung ins Auge zu fassen. Vorsicht und Stolz gemeinsam hatten ihn häufig veranlaßt, zu wünschen, er könnte doch aufhören, an Margaret Seaton zu denken. Seine Mutter hatte ihn mehrmals darauf aufmerksam gemacht, daß sie nicht das einzige Mädchen auf der Welt sei und vielleicht nicht einmal das hübscheste; doch solche Worte drangen nicht bis in sein Herz. Dort blieb Margaret allein, und er brauchte nur sein Herz zu befragen, um sich ihrer in allen Einzelheiten zu erinnern; ihres lockigen schwarzen Haars, der meerblauen Augen, umrahmt von langen schwarzen Wimpern, ihres ein wenig großen und allzu beweglichen Mundes. Ihr Profil war in seinen Augen von vollendeter Schönheit. Ihre Stirne war viereckig und glatt, weder hoch noch niedrig und ohne jene leichte Wölbung, die ihm an seiner eigenen Stirne so sehr mißfiel. Zwischen den schwarzen Brauen sprang gerade und gutgeformt die Nase vor, deren Ende sich allerdings ein ganz klein wenig aufstülpte, just genügend, um die Oberlippe zu verkürzen. Er versuchte sich einzureden, daß ihr Gesicht nichts damit zu tun hatte, daß er sie so schmerzlich liebte, aber er wußte, daß er es ohne dieses Gesicht, das in jeder Einzelheit genau dem entsprach, was er an Frauen am höchsten schätzte, nicht so völlig unmöglich gefunden hätte, sich ihr zu entziehen. Ohne dieses Gesicht hätte er ganz gewiß nicht erwogen, sie zum drittenmal um ihre Hand zu bitten. Denn jetzt, als er aus dem Fenster sah, wußte er, daß der Tag ihm keine Entschuldigung gönnen werde. Sanft verzog sich der Dunst von den runden Hügeln Neu-Englands, und schon vormittags würden sogar die Täler hell sein: Der klare, kleine Fluß war noch vernebelt, doch das war sein eigener, niedriger Nebel, der vom ersten Sonnenstrahl verscheucht sein würde. Der Ort Chedbury lag im Nordwesten von Boston. Er lag an einem Hang des Granitbergs, und seine Häuser reihten sich rings um einen Rasenplatz, auf dessen höchster Stelle die große, alte Kirche aus weißgestrichenem Holz stand. Ihr Turm hatte edle Linien, und ihr Dach saß auf hohen Mauern und schien Schwingen zu haben. Chedbury war stolz auf seine Kirche, und ihre Architektur und Größe hatten es andern Sekten unter der Bevölkerung unmöglich gemacht.

Termékadatok

Cím: Die Grosse Liebe [antikvár]
Szerző: John Sedges
Kiadó: Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens
Kötés: Félbőr
Méret: 130 mm x 210 mm
John Sedges művei
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