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GELEITWORT
Wenn man mich vor fünfzehn Jahren gefragt hätte, ob eine deutsche Übersetzung dieses Buches Erfolg haben könnte, so hätte ich es energisch verneint. Glücklicherweise hat mich niemand gefragt; glücklicherweise hat der Orell Füßli Verlag einen zuverlässigeren Berater gehabt: die Notwendigkeit neuer Auflagen zeigt, daß es auch bei urrs Verständnis und Würdigung gefunden. Ich hätte gedacht, es sei zu amerikanisch, denn angelsächsischem Empfinden muß es, nach seinen phantastischen Auflageziffern zu schließen, im höchsten Maß entsprechen. Aber offenbar können auch wir Europäer die frische Stimme unbeschwerten Forschens und Gestaltens noch vernehmen, wird es einem doch im Angesicht einer solchen Leistung nur allzu deutlich, wie traditionsgebunden wir sind. Gebunden und gefesselt in eine Tradition, die nicht nur die philosophische Wertskala von den Vorsokratikern bis zur Gegenwart bestimmt und höchstens noch im Detail eine Ehrenrettung oder Erledigung duldet, sondern uns auch bis in die Finessen hinein den Stil der philosophiegeschichtlichen Darstellung, das Gleichgewicht zwischen Systematik und Geschichte, die Dosierung der Anekdote vorschreibt.
Der Verfasser dieses Buches weiß um alle diese Dinge; er kennt Inhalt und Methode der europäischen Forschung, aber er ist ihr nicht hörig. Erstens weil er wissentl'ch und willentlich für Amerikaner schreibt. Auf Schritt und Tritt fühlt man das: er hat mit Vorurteilen zu kämpfen — typische Vorurteile der Jugend dem Alter gegenüber möchten wir sie nennen. Gewisse Dinge muß er seinen Lesern mit Vorsicht, gewissermaßen in homöopathischen Dosen beibringen, die er dann allmählich steigert. Dieses Mißtrauen richtet sich vor allem gegen das Wort und den Begriff der Metaphysik. Aber Will Durant kapituliert keineswegs vor seinem Publikum. Dort wo ihm Metaphysik wichtig ist, wo sie ihm kein Hirngespinst der sich im Kreise drehenden Spekulation, sondern selbständige und verantwortungsbewußte Weltdeutung zu sein scheint, da hämmert er diese Meta-
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