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Vorwort
»Macht also den Herzog zu eurem Führer! Für ihn sprechen seine Taten, sein Adel und seine Männer; in ihm werdet ihr Rückhalt, nicht nur in den öffentlichen, sondern auch in euren persönlichen Angelegenheiten finden « Dies soll, dem Chronisten Richer zufolge, Adalbero, der Erzbischof von Reims, zu der Versammlung von Edelleuten gesagt haben, die im Jahre 987 Hugo Capet zum König wählte. Damit wird ein Zeugnis für die Königswürde abgelegt, für die Institution der Monarchie, wie sie sich in ihrer frühen Geschichte darstellte.
Die politische Sprache ist unmißverständlich und konkret: Der beschränkte Kreis der Wähler (die Großen, die Landbesitzer und Halter von Leibeigenen, also die Träger der Macht) spiegelt sich in der Gegenüberstellung von »öffentlichen« und »euren persönlichen Angelegenheiten« (damit sind die Interessen des kleinen Kreises der Wählerschaft angesprochen) wider. Die Eignung des Kandidaten Tür das Amt wird mit wenigen Begriffen umrissen: Zunächst spielt ein individuelles Element herein, d. h. die persönlichen Fähigkeiten (die Taten), dann ein objektives, d. h. die Gewalt, die Macht (die Männer), und zuletzt ein unfühlbares, kulturelles »Überbau«-EIe-ment (der Adel). Dieser beispielhafte Fall einer Königswahl wird dadurch charakterisiert, daß diese drei Elemente unbedingt vorhanden sein müssen, ebenso wie ein viertes: die Wahl durch eine Versammlung von Seinesgleichen - eine Art Vertrag oder Einverständniserklärung der Gleichgestellten. Auffallend ist, daß genau das Element fehlt, das dann später kennzeichnend werden sollte - und um das sich die vorliegenden Aufsätze drehen die Erblichkeit, die Kontinuität einer Dynastie. Ebenfalls bei Richer lesen wir, daß es eine der größten Sorgen des neuen Königs Hugo Capet war, auch seinen Sohn krönen zu lassen. Schließlich gab Adalbero dazu seine Einwilligung, wenn auch nur ungern. Er hatte nämlich anfänglich den Einwand erhoben, man dürfe nicht zwei Könige in ein und demselben Jahr ernennen. Man sollte sich daran gewöhnen, daß die Krone ebenso vererbbar war wie die Ländereien, Schlösser, Stallungen, Juwelen und Diener der Großen - der Wähler des Königs. Daher mußte ein anderes Element in den Vordergrund gerückt werden: der Glaube an eine privilegierte Beziehung zwischen dem König (und seinen Nachkommen) und Gott - kurz, das »Gottesgna-dentum«. Der Herrscher DEI GRATIA, »von Gottes Gnaden«, sollte nicht mehr der Wahlreden eines Adalbero bedürfen.
In einem anderen bedeutsamen Text, bei Otto von Freising, fmdet sich der folgende Satz aus einem Brief Fnednch Barbarossas, König und Kaiser (deshalb haben wir es hier mit einem Sonderfall zu tun, der aber im Zusammenhang mit der mittelalterlichen Idee der »beiden Schwerter« - Papsttum und Reich - um so entscheidender ist): »Dank der Wahl der Fürsten herrschen Wir über König- und Kaiserreich durch Gott allein
Dennoch dauerte dieser Prozeß bekanntlich lange. Rufen wir uns die drei politischen Elemente in der Rede Adalberos ins Gedächtnis zurück: persönliche Eigenschaften, tatsächliche Macht und Adel. Das erste wird völlig und das zweite zumindest teilweise hinfällig in Anbetracht der Gratia Dei: Es gab untaugliche Könige und auch Könige, die objektiv vollkommen machtlos waren und dennoch bis zu ihrem Lebensende die Krone trugen.
Kommen wir zu den »Taten«, die Adalbero in seiner Rede erwähnt. Wenige Jahrzehnte später schrieb Wilhelm von Poitiers in einer Lobrede auf einen anderen König, Wilhelm den Eroberer, der seine Krone durch das Schwert errungen hatte, obzwar er auf die Krone ein gewisses Anrecht hatte oder jedenfalls zu haben glaubte: »In ihrer Willkür verschleiern die Könige ihre Gier unter dem Vorwand, Verbrechen zu bestrafen, und sie überantworten den Unschuldigen der Folter, um sich die Güter derjenigen anzueignen, die sie auslöschen. Aber er (Wilhelm) verdammte niemals jemanden, der es nicht billigerweise verdient hätte; denn er war über die Habgi
sich
ibenso wie über ißte, daß es zur spektakulären nichts anzueig-
Gesicht schlu_ chtete und gebärdete er, Kaiser Franz Jomen Staates - »unab-mal in ein Formular; von Ironie, aber si-
andere Leidenschaften erhabe Königswürde gehörte, sich in Großzügigkeit darzustellen und nen, wenn es der Gerechtigkeit Ungefähr 800 Jahre später betri sich der letzte große Habsburj seph, wie ein Beamter seines eig hängiger Beamter« schrieb er eii möglicherweise mit einem Anflug ' cherlich mit Überzeugung. Zwischen den zwei chronologischen Endpunkten läßt sich ein Faden erkennen, der beide miteinander verbindet: das Fortdauern einer Auffassung von Macht, die durch ihren dienenden Geist tolerierbar gemacht wird. Ob dies zur Dauer der Institution Monarchie und zur Dauer der Dynastien, die diese Institution in Europa verkörperten, mehr oder weniger genauso beigetragen hat wie die Auffassung der Gratia Dei, ' ' ¦' ¦ ' unbeantwortbare Frage. Doch dieses Pro-ch eines der Motive für das Interesse, mit is die »innere« Geschichte der Dynastien
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diesem Buch
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Im vorliegenden Buch treten sie in der chronologischen Reihenfolge auf in der sie ihre Herrscherkrone erhielten. Obwohl ihre Anzahl gering ist, wird doch fast ganz Europa miteinbezogen - ein Bogen, der sich von England nach Italien, von Portugal nach Rußland spannt und einen Zeitraum von fast einem Jahrtausend europäischer Geschichte erfaßt. Die Geschichte Europas, unsere Geschichte also, ist ein Stoff der zu einem kleinen Teil auch aus ihren Schicksalen gewoben ist.
Ein Hinweis: In Klammern gesetzte Jahresangaben hinter Namen von Machthabern bezeichnen deren Regierungszeit!