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ENGLAND UND IRLAND
JOSEPH CONRAD 1857-1924 Der geheime Teilhaher
Rechts von mir befanden sich Reihen von Absteckpfählen für Fischernetze, ein geheimnisvolles System von fast im Wasser verschwindenden Bambusrohrzäunen, unverständlich in ihrer Einteilung des tropischen Fischereigebietes; von ganz verfallenem Aussehen, als hätte irgendeine nomadische Fischerhorde, die nach dem anderen Ende des Ozeans fortgezogen war, sie auf Nimmerwiedersehen verlassen, denn es waren, so weit das Auge reichte, keine Spuren menschlicher Behausungen zu erblicken. Links war eine Gruppe kahler Inselchen, die an Überreste von steinernem Gemäuer, Türmen und Blockhäusern erinnerten und ihre Grundmauer in einem blauen Meer hatten, das selbst aus einer massiven Substanz zu bestehen schien, so still und unerschütterlich lag es unter meinen Füßen; sogar der Streifen Licht, den die untergehende Sonne darauf warf, hatte einen stillen Glanz, dem jenes lebhafte Funkeln fehlte, das eine unmerkliche Kräuselung der Wasserfläche verrät. Und als ich den Kopf wandte, um einen letzten Blick auf den Schlepper zu werfen, der unser außerhalb der Reede verankertes Schiff eben verlassen hatte, sah ich, wie sich die gerade Linie der flachen Rüste mit einer vollkommen lückenlosen Geschlossenheit an das regungslose Meer anfügte und mit ihm gleichsam einen einzigen ebenen Fußboden, die eine Hälfte braun, die andere blau, unter dem weiten Himmelsdom bildete. Zwei kleine Baumgruppen, ebenso unbedeutend wie die kleinen Inseln, markierten auf jeder Seite der einzigen Lücke in der sonst fehlerlosen Fuge die Mündung des Flusses Mei-nam, den wir eben verlassen hatten und der die erste Station auf unserer Heimreise war. Weit hinten auf dem flachen Binnenlande war eine größere und höhere Masse - der Hain, der die große Pak-nam-Pagode umgab - der einzige Punkt, bei dem das Auge vom
FRANKREICH UND FRANZÖSISCHE SCHWEIZ
ANATOLE FRANCE 1844.-1924
Crainquebille I
Die Majestät der Justiz herrscht in ihrer ganzen Größe in jedem einzelnen Urteil, welches der Richter im Namen des souveränen Volkes verkündet. Jeremias Crainquebille, ein herumziehender Gemüsekrämer, sollte erfahren, wie erhaben das Gesetz ist, als er wegen Beleidigung eines öffentlichen Staatsbeamten vor Gericht geführt wurde.
Nachdem er in dem prächtigen und düsteren Saale auf der Anklagebank Platz genommen hatte, sah er voll staunender Bewunderung auf die Richter und Advokaten in ihren Roben, auf den Gerichtsdiener mit der Kette, auf die Polizisten und auf die Zuschauer, die bloßen Hauptes schweigend hinter einer Scheidewand saßen.
Er sah sich selbst auf einem erhöhten Sitz und empfand es als eine hohe Ehre, als Angeklagter vor dem Tribunal erscheinen zu dürfen.
Im Hintergrund des Saales zwischen den beiden beigeordneten Richtern thronte der Präsident Bourriche, auf dessen Brust die Ehrenabzeichen der Akademie prangten.
Eine Büste der Republik und ein Christus am Kreuze schmückten die Rückwand des Saales, so daß alle göttlichen und menschlichen Gesetze über Crainquebilles Haupt schwebten.
Er empfand es mit wahrem Schrecken. Denn da er durchaus nicht philosophisch veranlagt war, fragte er sich nicht, was diese Büste und dieses Kruzifix hier bedeuten sollten und in welcher Beziehung eigentlich wohl Jesus und Marianne zu dem Gericht stehen konnten.
Dennoch gab es einem zu denken, denn die päpstliche Lehre und das kanonische Recht stehen in vielen Punkten im Widerspruch zu der Verfassung der Republik und dem Zivilrecht.