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AUERHAHN
Zu meinen ersten zoologischen Kindheitserinnerungen gehört die an einen gänsegroßen, stattlichen Hühnervogel. Es mußte wohl ein Hahn sein, denn er hatte einen mächtigen, wie einen Fächer ausgebreiteten Schwanz. Aber der rote, gezähnte Kamm und die Kehllappen unseres Haus-Iiahns fehlten. Ich erinnere mich dessen sehr wohl, wie sehr ich mich über seine ,,Beine", wie ich damals sagte, wunderte. Jetzt weiß ich, daß es die erhoben getragenen Mittelfüße oder „Ständer" sind. Es sah aus, als trüge er Pelzgamaschen, aus denen nur die nackten Zehen herausschauten. Laufen konnte allerdings der große Vogel nicht, denn - er war ausgestopft! Er stand auf einem gebogenen Stück Kiefernast, das mit einer Grundplatte an der Wand befestigt war. Das war im Forsthause zu Einsiedel bei Chemnitz i. Sa. bei meinem Oheim und Paten, der dort Oberförster war. Er erzählte mir auch, daß es ein Auerhahn wäre, den er einst selbst in einem Revier hoch oben im Erzgebirge geschossen hatte.
Auch damals schon, vor nunmehr fast sechzig Jahren, war im unteren Erzgebirge das Auer- oder Ur-Wild längst dem lauten Verkehr und der Unruhe der Menschen gewichen und fand sich nur noch in den einsamsten Waldgebieten oben am Kamme. Ich erinnere mich noch des düsteren Gefieders des stattlichen Vogels. Den Schwanz, der Oheim nannte ihn „Stoß", trug der Hahn erhoben und gefächert, die Flügel ließ er seitlich hängen, den Hals hielt er aufwärts gestreckt wie ein krähender Haushahn. Das sei die ,,Balzstellung", sagte der Oheim, so stünde der Hahn im Frühling im frühesten Morgendämmern auf