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Vorwort
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Die abendländische Musik hat einen ans Wunderbare grenzenden Verlauf genommen, ohne daß der Mensch, der diese Geschichte bewirkt hat, sich eine klare Vorstellung von dem Erlebnis »Musik« gemacht hätte oder auch nur zu machen brauchte. Wenn wir untersuchen wollen, was die Musik ist, so müssen wir uns unter ihr ein Erlebnis vorstellen, das der Mensch hat, ohne es zu reflektieren. Tritt die Reflexion dazwischen, so stellt sie sich vor den Gegenstand des in den Tönen erschienenen Erlebnisses als jeweils diese Melodie, diese Harmonie, dieser Rhythmus, diese Form; mit anderen Worten: Die Reflexion erfaßt die Musik, wenn diese bereits fertig ist, und der musikalische Akt selbst, durch den eine Folge von Tönen zur Melodie, ein gleichzeitiges Erklingen von Tönen zur Harmonie und eine Anordnung von Zeitwerten zum Rhythmus wird, entgeht ihr: Er bleibt unreflektiert. So gibt sich im Erlebnis der Musik ihr Gegenstand für die Reflexion als bereits gänzlich konstituiert, und daher ist der Hörer geneigt zu glauben, er erfasse ihn, wie er einen natürlichen Gegenstand wahrnimmt. Er täuscht sich jedoch: Der Hörer nimmt Töne wahr, er perzipiert aber keine »Melodien«, »Harmonien« oder »Rhythmen«. Und sollte der Leser hierüber Zweifel hegen, so möchten wir ihm andere Aspekte seines Hörerlebnisses ins Gedächtnis rufen, die jede Wahrnehmungsillusion zerstreuen. Zum Beispiel: In der Natur »strebt« der sogenannte »Leitton« nicht zur Tonika, der Dominantakkord nicht zum Tonika-Akkord, der Vorhalt nicht zur Auflösung; diese »Spannung« wird nicht wahrgenommen, und dennoch vermeint sie der Hörer aus den Tönen abzulesen. Dabei stimmt es, daß der Komponist sie in den Tönen empfunden hat, ebenso wie alle Hörer, die für diese Musik emp-fänghch sind. Eine Musik hören heißt also, für sich das musikalische Ereignis nachvollziehen, das der Komponist in den Tönen eingefangen hat, und deshalb ist eine Musik für alle Hörer die gleiche. Wir sagen nicht, daß sie für alle den gleichen Wert besäße oder bei allen den gleichen Widerhall weckte; sie bietet aber jedem das gleiche Erlebnis, dasselbe, welches der Komponist in sein Werk hineingelegt hat.
Dieses Erlebnis ist, wie wir gesagt haben, bereits abgeschlossen, weim in der Reflexion dessen, der es existent macht, Melodien, Harmonien und Rhythmen erscheinen. Im Vorübereilen sukzessiver und simultaner Töne erscheinen mir diese musikalischen Objekte, weil mein Bewußtsein von der perzeptiven Haltung zur musikalischen übergegangen ist, weil das klangliche Ereignis sich in
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