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Erstes Kapitel
Ganz fest hielt ich Mamas Hand, als ich aus dem dunklen Gewölbe des Bahnhofs in die hellen Straßen der fremden Stadt kam. Ich wollte so gerne der Mama vertrauen, die ich bis zu diesem Tage nie gesehen hatte und deren sorgenvolles Antlitz mit den hellblauen Augen gar keine Ähnlichkeit mit dem Gesicht meiner Mutter zeigte. Aber obwohl sie mir eine Stange Schokolade aus dem Automaten gezogen hatte, war es ihr nicht gelungen, Liebe in mir zu erwecken. Während der langen Fahrt von Winton saß sie mir im Drittklaßabteil gegenüber, angetan mit einem etwas schäbigen grauen Kleid, an dem eine große Rauchtopas-Brosche steckte, einem dünnen Pelzkragen und einem breitrandigen schwarzen Hut, der ihr über das eine Ohr hing; die ganze Zeit starrte sie mit schief geneigtem Kopf zum Fenster hinaus, und sie bewegte die Lippen, als ob sie ein leises, doch gefühlsbetontes Selbstgespräch führte; von Zeit zu Zeit rieb sie einen Augenwinkel, wie um ein Stäubchen zu entfernen.
Doch jetzt, nachdem wir den Bahnhof verlassen hatten, machte sie eine Anstrengung, ihrer Mißstimmung Herr zu werden; sie lächelte mich an und drückte meine Hand.
»Du bist ein tapferer Mann, weil du nicht mehr weinst. Glaubst du, daß wir zu Fuß gehen können? Das Haus ist nicht i
sehr weit.« f'
Eifrig darauf bedacht. Gefallen zu erregen, versicherte ich, daß ;
ich gut laufen könnte. So nahmen wir die Droschke nicht, die vor dem Bahnhof stand, sondern gingen zu Fuß die Hauptstraße hinunter, und Mama versuchte meine Aufmerksamkeit auf die wichtigsten Merkmale der Stadt zu lenken.
Die Straße hob und senkte sich dauernd; der schwere Wellen-gang der Irischen See stampfte noch immer in meinem Kopfe, |
und ich war noch ein wenig taub vom Donnern der Schiffs- fj^^v
schrauben. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite erhob sich , i
ein schönes Gebäude mit glänzenden Granitsäulen, davor zwei ' ;
Eisenkanonen und eine Flaggenstange, und ich hörte Mama mit \ j
leichtem Stolz sagen: »Das ist die Stadtverwaltung von Leven- ' / i
ford. Herr Leckie Papa arbeitet dort auf dem Gesundheitsamt.«
>Papa<, dachte ich benommen. >Das ist Mamas Mann der Vater meiner Mutter.<