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Erstes Kapitel
WALD WEIHNACHT Ein dichter Nebel lag drei Tage über dem Waldland, dann kam die scharfe Kälte, mid nun hat der Wald sein schönstes Weihnaditskleid angezogen. Ganz still ist's, und nur zuweilen geht ein feines Klingen durch den Wald, und ein Seufzen, wenn ein Zweig einen Teil seiner Last, die ihm zu schwer geworden ist, abschüttelt. Die Buchen sind ganz dicht geworden, und auf den Weg, über dem sie wieder, wie im Sommer, doch nun aus edlem Weiß, Silber und Kristall, den gotischen Dom bilden, fällt ein wunderbares gedämpftes Licht von dem sanften nebelgrauen Him» mel, der doch ein mattes Sonnengold ahnen läßt.
Zwischen den Schirmtannen hervor, welche die Höhe umstehen, kommt auf den weißen Budiendom zu ein großer Mann gesdiritten, in waldmäßigem Lodenwams, einen verschabten grünen Filzhut auf dem krausen braunen Haar. Unter dem alten Hut leuditen in die Pradit hinein ein Paar graublaue Augen, imd wenn an dem Mann einem zuerst nidits als seine ungewöhnlidie Länge und mächtige Breite auffallen mag, so tut's ein Blick in diese Augen, denn es sind die Augen derer, die sehen. Als saugten sie es in sich, dieses Bild des Waldwegs, mit den 6ilberange= hauchten Säulenreihen der Buchenstämme, ferne durdileuditet von dem matten Opal des Himmels.
Der Mann starrt auf den Weg und sein Ende, wo er sidi in dem duftigen Schleier der Birken wendet, als müßte etwas von dort kommen, gerufen von der brennenden Sehnsudit, die die Einsamkeit gebiert; aber nur ein kleines Dimlein hastet dort vorbei, in einen alten braunen Sdial eingewidcelt, dessen Ende hinten nadischleppt und allerlei Waldanhängsel, Domen, gefro« rene Moosfetzen, nach sidi zieht. Sehr eilig hat es die Kidne, und nun versdiwindet sie hinter den Haselsträuchem. Dort geht's aber auf eine dadigähe Halde, und der einzige Pfad hinunter ist eine Eisbahn. Mit ein paar langen Sdiritten ist er zwischen den Sträudiem. „Halt! da kannst du nicht hinunter."