Bővebb ismertető
schalom asch
MENSCHEN UND GÖTTER
Golde, die Fischhändlerin, bewohnte zusammen mit der Chri= stin Antonie ein halbzerfallenes Häuschen drüben hinter dem Flusse, nahe der Stelle, wo die Weiber Wäsche waschen. Beide waren seit Jahren Witwen, und beider Kinder waren schon längst von ihren Müttern in die Fremde fortgezogen. Goldes ältester Sohn, Chajim, der Schäftemacher, kam in den Zwischenfeiertagen aus Lodz, wo er zuletzt gearbeitet hatte, nach Hause und begann bald nach seiner Ankunft geheimnis= voll mit Antoniens Sohn, Antek, dem Schreiner, zu tuscheln. Die Feiertage gingen zu Ende, doch Chajim machte noch im= mer keine Anstalten, zu seinem Meister nach Lodz zurückzu= kehren. Er lungerte im Hause und vor dem Hause herum; seine Mutter begann schon das Brot vor ihm zu verschließen, und zwischen Mutter und Sohn gab es öfters Streit. Und eines Abends waren die beiden jungen Leute, Chajim und Antek, plötzlich verschwunden. Man suchte sie überall — sie waren wie von der Erde verschlungen.
Die Jüdin schimpfte auf die Christin und die Christin auf die
Jüdin. Die eine sagte: „Dein Sohn hat den meinigen verführt!"
Und die andere behauptete das Gegenteil. An einem schönen
Sommermorgen stehen sie beide vor ihrem Häuschen, rühren
sich je ein Viertelpfund Mehl in die Frühstückssuppe und schüt=
ten voreinander das Herz aus:
„Wo können sie jetzt sein?"
„Sind wohl beide im Meere ertrunken."
„Da soll man Kinder großziehen, damit die Fische sie fres=
sen!"
„Und vielleicht sind sie noch am Leben?" versucht sich die Jüdin Mut zu machen.
„Vielleicht sind sie wirklich am Leben!" meint auch die Christin.
„Und vielleicht haben sie ihr Glück gemacht?"