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Das Mädchen mit den Yin-Augen
Meine Schwester Kwan meint, sie hat Yin-Augen. Sie kann all die Verstorbenen sehen, die jetzt in der Yin-Welt sind - Geister, die hin und wieder ihr Schattenreich verlassen, um Kwan in ihrer Küche an der Baiboa Street in San Francisco zu besuchen.
»Libby-ah«, sagt sie dann zu mir. »Rate mal, wen ich gestern wieder gesehen, na?« Und ohne jede Raterei weiß ich gleich, daß sie irgendeinen ihrer Toten meint.
Eigentlich ist Kwan ja nur meine Halbschwester, aber das darf ich nicht so laut herausposaunen. Es wäre eine Beleidigung, als wollte man damit sagen, daß sie nur halb soviel Liebe von unserer Familie verdiente. Die Sache ist nämlich so: Kwan und ich haben einen gemeinsamen Vater, mehr nicht. Sie ist in China geboren. Meine Brüder Kevin und Tommy und ich in San Francisco - und zwar nachdem mein Vater, Jack Yee, hierher ausgewandert war und unsere Mutter, Louise Ken-field, geheiratet hatte.
Mom bezeichnet sich als »American mixed grill - gut durchwachsen, zäh und hartgesotten«. Sie stammt aus Moscow, Idaho, wo sie als stramme Majorette bei allen möglichen Paraden glänzte. Doch als junges Mädchen, sagte sie, hätte sie sich immer nur danach gesehnt, eines Tages so exotisch und ätherisch auszusehen wie Luise Rainer, die einen Oscar fur die Rolle der O-Lan in dem Film Die gute Erde gewann. Und als Mom dann schließlich nach San Francisco zog, versuchte sie ihre Träume halbwegs zu verwirklichen, indem sie unseren