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Vorwort
Caritas wird sowohl als Begriff wie als Organisation ebenso häufig mißverstanden wie mißbraucht. Was als „dienen- V de Liebe" gedacht ist - der Arme als Stellvertreter Gottes, ' als Repräsentant Christi, der mit demselben Respekt behandelt werden muß wie Christus selbst -, wurde zum Almosengeben, zum Sammeln, zur AHbihandlung Selbstgerechter herabgewürdigt.
Solche Sinnentlehrung und Sinnverkehrung führt dazu, daß Caritas ihre gesellschaftskritische Funktion beinahe nicht mehr auszuführen vermag. „Die Caritas von heute ist die soziale Gerechtigkeit von morgen, und die Caritas von gestern ist die soziale Gerechtigkeit von heute", lautet ein bekannter Spruch - steht dahinter Erfahrung oder bloßes Wunschdenken? Ist Caritas tatsächlich so erfinderisch, so kreativ, daß sie der Gesellschaft die Maßstäbe im sozialen Bereich zu stecken vermag? Wenn nicht - und man muß dies aus guten Gründen und vielen bitteren Erfahrungen heraus ernstüch bezweifeln wie stehen dann die Chancen, daß sie diese Aufgabe wieder wahrzunehmen imstande ist?
In einer Zeit zunehmender Bürokratisierung und Manipulation, Automatisierung und immer noch zunehmender Komplexität der Gesellschaft kommt der dienenden Liebe eine lebenswichtige Funktion zu. Es geht um nicht weniger als um Sein oder Nichtsein des Humánum, um das Überleben des Menschen in dieser seelenlosen Wüste des totalen Apparates.
Sicherlich, der Staat kann mit seinen Möglichkeiten vieles besser, schneller, umfassender, größer, wirkungsvoller tun und organisieren als eine private Initiativorganisation wie die Caritas. Was dem Staat fehlt, sind die spontanen Ideen, ist die Seele, sind die kreativen Einfälle, ist das engagierte Improvisieren, das in der Lebendigkeit der Liebe wurzelt.
So gesehen, ist Caritas notwendig immer „unterwegs zu neuen Ufern", darf sie nicht deprimiert sein, wenn ihre Initiativen und Ideen zünden, wenn sie von verschiedener Seite her aufgegriffen, von anderen weitergeführt, immer
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