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FRANZ LISZT Die Ideale,
Franz Liszts »Ideale« entstanden als Gelegenheitskomposition zur Einweihung des Goethe-Schiller-Deukmals in Weimar. Kein schöneres Zeugnis für seine Verehrung deutscher Dichter und seine Begeisterung für alles Ideale hat er uns hinterlassen, als dieses Werk, das zugleich im Kranze seiner »symphonischen Dichtungen« als eines seiner hervorragendsten gelten darf. In kaum einem zweiten ist Liszt, dessen Charakterisierungskunst gewiß immer bedeutsam ist, in der thematischen Erfindung und Durcharbeitung so glücklich gewesen. Das hohe Gedicht des Sängers der »Ideale«, das der Komposition zugrunde liegt, riß in seinem edlen Pathos auch den Musiker auf die höchste Stufe seines Könnens. Es scheint uns heut unbegreiflich, daß gerade dieses Werk einmal (1859) den Anlaß zu Demonstrationen gegen die »moderne« Musik geben mußte, gelegentlich jenes Skandales in der Berliner Singakademie, als H. v. Bülow die Zischer aus dem Saale wies. Gerade die »Ideale« sind neben ihren glänzenden Partien reich an melodischen — lyrischen — Schönheiten, und ihrem Verständnis dürften sich kaum größere Schwierigkeiten in den Weg stellen.
Vielleicht hat grade die sehr atisführliche programmatische Bezeichnung der einzelnen Teile des Werkes durch Stellen des Schillerschen Gedichts Veranlassung zu Mißverständnissen gegeben.' Man meinte wohl, in der Musik eine getreue Wiederspiegelung derselben poetischen Bilder und philosophischen Gedanken finden , zu sollen. Davon ist keine Eede. Liszt hat hier die poetische Idee nur in musikalische Stimmung umgedeutet, und nur da, wo der poetische Ausdruck zugleich musikalisch war, wie etwa bei der Stelle: »Da lebte mir der Baum, die Eose, mir sang der Quelle Silberfall« — ist Poesie und Musik kongruent. Sonst würden wir eine genaue Übersetzung der poetischen Bilder in Musik im allgemeinen vergeblich suchen. Liszt war zu geschmackvoll, um etwa »Pygmalion« zu schildern, der mit flehendem Verlangen den Stein umschließt, oder »Felsenlasten«, die sich »in das Strombett hindernd werfen«. —
So finden wir auch im ersten Teile des Werkes sogleich nur die Stimmungen des Gedichtes geschildert, diese aber überaus prägnant, so daß sie auch ohne das poetische Motto herauszufühlen wären. Es ist die Enttäuschung — der Schmerz über verlorene Jugend, der sich im Dichterwort wiederspiegelt:
So willst du treulos von mir scheiden Mit deinen holden Phantasien, Mit deinen Schmerzen, deinen Freuden, Mit allem unerbittlich fliehn? Kann nichts dich, Fliehende, verweilen, O meines Lebens goldne Zeit? Vergebens! deine Wellen eilen Hinab ins Meer der Ewigkeit. Erloschen sind die heitern Sonnen,