Bővebb ismertető
In der Diskussion über Europa ist Skepsis Mode geworden. Die Vision der Vereinigten Staaten von Europa ist hinter der Fassade mühseliger politischer Alltags-routine verblaßt. Im öffentlichen Bewußtsein bestimmen die Kontroversen um Marktordnungen oder Agrarpreise und die Klagen über die politische Entscheidungsschwäche der Europäischen Gemeinschaft das Europa-Bild.
Wo sich Ratlosigkeit und Resignation ausbreiten, sind intellektuelle Selbstbesinnung und politische Standortbestimmung gleichermaßen geboten, wenn eine Neuorientierung gelingen soll. Wer über die Zukunft Europas nachdenken will, muß sich an die Geschichte erinnern: Zwei Weltkriege haben Europa, das sich lange Zeit als Zentrum der Welt verstand, an einen Scheideweg geführt: Die „Krise Europas" (Karl Dietrich Bracher) ist nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in der Spaltung des Kontinents und der Teilung Deutschlands machtpolitisch in Erscheinung getreten. Die gemeinsamen Traditionen europäischer Kultur und Wissenschaft wurden durch den ideologischen Gegensatz überdeckt, der in der Blockkonfrontation seinen politischen und militärischen Ausdruck gefunden hat.
Das Europa der Nationalstaaten, die „alte Welt", war in das Spannungsfeld der neuen Weltmächte geraten und drohte nunmehr selbst zum Objekt der Politik zu werden. Die westeuropäische Einigungspolitik, von weitsichtigen Staatsmännern seit Beginn der fünfziger Jahre engagiert eingeleitet, wollte die Handlungsfähigkeit der Europäer zurückgewinnen, indem sie an ihre gemeinsamen politischen Interessen anknüpfte. In erster Linie politisch motiviert, blieb die Europäische Gemeinschaft gleichwohl primär ökonomisch erfolgreich und vermochte die Schwelle der Wirtschaftsgemeinschaft nur zögernd zu überschreiten.
In den letzten Jahren ist zunehmend deutlich geworden, daß die Europa-Diskussion leicht in Sackgassen einmündet, wenn sie sich auf die Erörterung ökonomischer Sachverhalte oder institutioneller Probleme im Prozeß der westeuropäischen Einigung beschränkt. Die in diesem Sammelband reflektierte Frage nach der „Identität Europas" sucht eine solche verbreitete Einengung des Blickfeldes zu überwinden. Die Beiträge dieses Buches zeigen aus unterschiedlicher Perspektive, daß nicht nur ökonomische Vernunft die westeuropäische Integration gebietet. Sie richten den Blick auf die gemeinsamen historischen Traditionen der Europäer, ihre überein-
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