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Einleitung:Ironie zwischen Tugenddiskurs, politischer Kategorie und sozialem KonstruktivismusThomas NoetzelDass Ironie eine ernste Angelegenheit ist, zeigt sich nicht nur immer wieder an den Debatten, die sich um sie ranken, sondern auch am Ton, mit der diese gefuhrt werden. Dabei erhalten die Diskussionen besondere Brisanz, wenn Ironie nicht nur als rhetorische Formel oder individuelle Idiosynkrasie verstanden wird, sondern als Kennzeichen ganzer Epochen, in denen das Ironische zum Kommunikationsmuster geworden zu sein scheint. Beispielhaft lässt sich das beobachten an der großen, zustimmenden Resonanz, die Jedediah Purdys Abrechnung mit dem ironischen Zeitalter jüngst gefunden hat (Purdy 1999: xi).' In For Common Things beklagt der Autor den Verlust an Authentizität in der modernen Gesellschaft, die ihre Ernsthaftigkeit verloren habe. This book is a response to an ironic time. Irony has become our marker of worldliness and maturity. The ironic individual practices a style of speech and behaviour that avoids ail appearance of naivete - of naive devotion, belief or hope. He subtly protests the inadequancy of the things he says, the gesture he makes, the acts he performs. By the infliction of his voice, the expression of his face, and the motion of his body, he signals that he is aware of all the ways he may be thought silly or jejeune, and that he might even think so himself His wariness becomes a mistrust of language itself He disowns his own words. Der alte Prozess, den der Ernst gegen die Ironie führt (Bohrer 2000), wird am Beginn des 21. Jahrhunderts durch die Anklage der Dekadenz erweitert. Das Ironische wird zum Indiz einer sich selbst unsicher gewordenen Gesellschaft, die zu sich nicht mehr unmittelbar Stellung beziehen kann. Es überrascht nicht, dass die Rückkehr zur Naivität, das selbstverständliche Bekenntnis, Glauben und Hoffnung als notwendige, renovierte1 2002 in Deutschland erschienen unter dem Titel: Das Elend der Ironie.