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Im Foyer des Minzu-Hotels stand Huang, der zweite Nachtportier, und blickte durch die großen Glastüren hinaus, gerade als die ausländische Dolmetscherin ihr Fahrrad vorbeischob. Fasziniert schaute er ihr nach. Er wußte, was es bedeutete, wenn sie spätabends im kurzen Rock fortfuhr. In China gab es keine Geheimnisse. Huang lächelte und wandte sich wieder seinem Computer zu.
Draußen radelte Alice Mannegan die Changan Dajie hinunter. Sie sauste an den gepflasterten Bürgersteigen vorbei, an den Ladenfronten, vor denen dicht an dicht chinesische Schilder mit pseudokünstlerischen, schwungvollen kursiven Schriftzeichen standen: Glückliches Schicksal und Fliegender Kranich und Günstiger Wind. Messer und Schuhe und Kosmetika, Fahrradteile und Drahtrollen, alles warb schreiend um Aufmerksamkeit.
Aber die metallenen Fensterläden waren für die Nacht heruntergerasselt. Die schwarzköpfige Menge war verschwunden. Am Tage pulsierte auf der breiten Straße das Leben, aber jetzt war das lärmende Durcheinander aus Pekinger Dialekt und schrillenden Fahrradklingeln verstummt. Allerdings roch es noch nach Peking. Die Luft war schwer, duftgeschwängert, kloakig - und geschichtsträchtig.
Jenseits der niedrigen Reihe der Ladenfronten sah Alice die gedrungenen, wuchtigen öffentlichen Gebäude - die Institute, Büros und Ämter, die die Durchgangsstraße säumten. Die Changan Dajie war die wichtigste Speiche am Rad der Hauptstadt. Sie war breit und gerade, für Paraden angelegt, und führte mitten hinein in das Herz Pekings und ganz Chinas, in die Ver-