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VORWORT
Die Juwelengarnituren des Grünen Gewölbes kehren an den Ort zurück, an dem sie von 1729 bis zu ihrem unfreiwilligen Exil, das 1938 begann, aufbewahrt wurden - in die Vitrinen des Juwelenzimmers. Ihr ursprünglicher Aufbewahrungsort war sinnlich wie materiell der Höhepunkt eines Rundganges durch das Grüne Gewölbe. Im Juwelenzimmer präsentierte sich August der Starke in seiner königlichen Majestät. Vor der Folie der Insignien seiner Macht und umgeben von einzigartigen Kabinettstücken und Prunkschalen seines Hofjuweliers Johann Melchior Dinglinger wurde dem Besucher mit dem Kronschatz eine überwältigende Fülle an Formen, Farben und lichtsprühenden Diamanten vor Augen geführt. In seinem Juwelenschmuck gelang es dem sächsisch-polnischen Kurfürst-König, selbst den französischen Roi-Soleil weit zu übertreffen. August III., sein Nachfolger als König von Polen-Litauen, teilte mit seinem Vater den Wunsch nach atemberaubendem Schmuck. So hat sich mit den Juwelengarnituren des Grünen Gewölbes Glanz und Reichtum fürstlicher Selbstdarstellung des 18. Jahrhunderts erhalten.
In dem Schmuckbestand des Grünen Gewölbes befinden sich kunst- und kulturhistorische Meisterwerke, deren Schönheit und Bedeutung im Reichtum der Garnituren fast untergehen. Jedes dieser Schmuckensembles ist ein seltenes Zeugnis der europäischen Kulturgeschichte. Die Schönheit der individuellen Schöpfungen sichtbar zu machen und zugleich ihre Funktion, aber auch ihre stilgeschichdiche Entwicklung aufzuzeigen, unternimmt dieses Buch.
Die unverzichtbare Grundlage für ein solches Vorhaben bilden die Untersuchungen zum Juwelenschmuck durch Erna von Watzdorf und Ulli Arnold. Die Forschungsarbeiten dieser beiden Konservatorinnen, deren Sorgfalt und Präzision zwei Kunsthistorikergenerationen verbindet, ermöglichte erst den Blick auf die Gesamtheit.
Die fotografischen Aufnahmen schuf Jürgen Karpinski in der für ihn bekannten Qualität. Christine Engemann-Wendt, die sich seit Jahren um die Bewahrung und Wiederherstellung des ursprünglichen Erscheinungsbildes der Dresdner Juwelengarnituren verdient macht, behandelt in einem eigenen Beitrag die restauratorischen Aspekte. Christine Nagel lieferte zahlreiche sehr wertvolle Hinweise und verantwortet das Glossar. Denise Walthers Gestahung und der umsichtigen Betreuung durch Katharina Stauder und Elisabeth Roosens vom Deutschen Kunstverlag verdankt dieser Rundgang durch drei Epochen fürsdicher Schmuckgeschichte, vom Barock über den Rokoko zum beginnenden Klassizismus, seine Gestaltung. Allen Genannten und Ungenannten, die daran mitgewirkt haben, gebührt mein aufrichtiger Dank.
Dirk Syndram