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Vorwort des Herausgabers
Die Saltovo-Majaki Kultur war im frühmittelalterlichen Europa, was ihre territoriale Ausbreitung und kulturelle Wirkung anbelangt, eine höchst bedeutende archäologische und kulturelle Erschinung. Sie stellt eigentlich den maeriellen Hinterlassenschaft des chasarischen Kaganats dar, das eine hervorragende historische Rolle in diesem Bereich des Kontinents gespielt hat. Die Bedeutung der Erforschung dieser Kultur geht über die politischen Grenzen des chasarischen Kaganats hinaus. Man rechnet mit unterschiedlichen Charakter und Intensität ihrer Einwirkung im Gebiet des Nord-Kaukasus, am Mittellauf der Volga und des Dneprs. Es ist auch gut bekannt, daß man die Untersuchung der Saltovo-Majaki-Kultur im Fall von zwei Völkern (Donau-Bulgaren und landnehmenden Ungarn) überhaupt nicht vemachlässingen darf. Diese beiden Völker lebten in Chasarien und wanderten von dort aus in andere Gebiete. Weiters ist die erwähnte archäologische Kultur allen Zeichen nach für ein drittes Volk ebenso wichtig, die Awaren. In der letzten Zelt verbreitete sich nämlich in der ungarischen Forschung die Theorie, daß zwischen der materiellen Kultur der Saltovo-Majaki-Kultur und den Mittel-und Spätawaren Beziehungen bestanden. Die Lösung dieses Problems hat eine höchste Bedeutung für die bislang wenig bekannte Steppengeschichte des 7. Jhs.
Über die Saltovo-Majaki-Kultur smd schon Artikel bekannt, die den allgemeinen Forschungsstand wiederspiegeln oder gewissen Fundtypen anaWsieren. Aber wir haben über die Keramik keine Monographien, da können wir lediglich auf die Aufsatze B. Sramkos und S. Pletnevas hinweisen. Der vorliegende Band konnte - aus verschiedenen Gründen - diese Lücke natürlich nicht schließen. Trotzdem kann die Publikation, die sehr viel - wenn auch manchmal schon publiziertes - Material enthält, in ihre Gesamtheit hoffentlich Anregungen und Anstöße zu neuen Untersuchungen und vielleicht einer grundlegenden Monographie geben.
Die sowjetische Forschung wird es sicher bestreiten, daß ich bei der Zusammenstellung des vorliegenden Bandes S. Pletnevas Konzeption von 1967 folgte, die die Balkan-Donau-Kultur eher als eine zeitlich parallele Variante der Saltovo-Majaki-Kultur ansah. Die neuere sowjetische Forschung datiert nämlich die Balkan-Donau-Kultur viel später, an die 10.-14. Jh. Es gibt zwei Argumente für unseren Zugang, und zwar die Typologie und Chronologie und daneben die historischen und ethnischen Zusammenhänge. Desweiteren befinden sich also in diesem Band auch zu Fragen der Keramik der Balkan-Donau-Kultur, die auch manchmal Dridu- oder Karpaten-Donau-Kultur genannt wird, und zur protobulgarischen Keramik. Die hier veröffentlichten Aufsätze von G. iebotarenko, V. Kozlov und L. Donceva-Petkova vereinen gut die Charakteristika der Materialpublikation mit der anspruchsvollen Analyse der gesamten Balkan-Donau-Kultur vereinen. Es ist zu betonen, daß obwohl die sowjetische, rumänische und bulgarische Forschung immer unterschiedUch diese Kultur interpretiert, besteht jedoch gewisse. Einheit in ihrer Betrachtungsweise sowohl die Kontakte mit der Steppe, die sich in der Keramik wiederspiegeln, als auch in allgemeinen Kontakten zwischen der Saltovo-Majaki und Balkan-Donau-Kultur. So sind wir also berechtigt, die genannten zwei Kulturen gemeinsam zu betrachten.
Die Erforschung der Balkan-Donau-Kultur hat aber auch für die Archäologie des Karpatenbeckens eine primäre Bedeutung. Zuerst lohnt es sich zu bemerken, daß diese Kultur nach noch unpublizierter Meinung der ungarischen Forscher im konkreteren historische-ethnischen Rahmen wie eine , JCultur" erforscht werden soll. Die Bezeichnung „Kultur" ist in diesem Fall zu abstrakt. (Da steht unsere Konzeption der der bulgarischen Forschung am nächsten.) Andererseits ist es zu betonen: die Untersuchung der Balkan-Donau-Kultur ist in der gleichen Lage, wie die der Saltovo-Majaki-Kultur. Die erstere ist also auch nicht ausschließlich für sowjetischen, rumänischen und bulgarischen Archäologen interessant. In der letztem Zeit kamen nämlich in der ungarischen Tiefebene Funde zum Vorschein zu deren Bewertung wir eben die Keramik der Balkan-Donau-Kultur im Betracht ziehen müssen. Dieser Umstand kann neuere Angaben und Ausgangspunkte zur Untersuchung des Weiterlebens der Spätawaren, zur Archäologie und vielleicht auch zur Geschichte des östlichen Teils