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DIE KLASSISCHE DICHTUNG ÖSTERREICHS DAS ZEITALTER GRILLPARZERS JOSEPH GREGOR 1883-1960 Wiener Tbeater Die seltsamste Erscheinung des beginnenden 18. Jahrhunderts, die Weltherr= schaft des Hanswursts/ ist auch von der Seite des gröfiten und ausgereiftesten Theaters jener Zeit begreiflich. Es scheint, dafi die Gründe hiefür in Deutsch= land und in Frankreich genau die entgegengesetzten waren. Beide Lander wurden durch das italienische Stegreiftheater gespeist, das seine Bedeutung nie verloren hatte und nach Wien seine Venezianer, nach Paris seine Mailander entliefí. Der Boden war für beide Gruppén vortrefflich bestellt, in Deutschland konnten die schwerfalligen Haupt= und Staatsaktionen dem Theaterbedürfnis der Massen ebensowenig genügen wie in Frankreich die antiké Tragödie in barocken Rüstun= gen, modischen Kórságén und gewaltigen Perücken. Stets ist in dem Jahr= hundert, das für das Welttheater entscheidend werden mufite, die grofie soziale Kluft mitzudenken, jene, die in der grófién Oper safien, die in den blendenden Erscheinungen Handels und Glucks nun ihrem endlichen Siege entgegeneilte, von der überwiegenden Masse jener anderen trennend, die sich mit Tierhatzen (abstofienden Vergröberungen von Stiergefechten), theatralischen Maschinerien (mechanischen Marionettentheatern) und den altén, genugsam bekannten Kate= gorien, Seiltanzern, Taschenspielern und Feuerfressern, begnügen mufiten. Hans= wurst war bereit, an dieser Stelle hilfreich einzuspringen und die Gegensatze auszugleichen. Er brachte nach Frankreich die ersehnte Aktualitat des Theaters und den gründlichen Abschied vom Alexandriner und den Einheiten, nach Deutschland die ersehnte Verbindung der Kunststückchen, der Maschinerie und der Lazzi1) mit dem wirklichen, gesprochenen und gesungenen Theater . . . Der deutsche Hanswurst erhielt in der ganz einzigartigen Gestalt Joseph Anton Stranitzkys2) ein privilegiertes Haus in Wien. Er mufite sich hier zunachst mit mehreren italienischen Truppén herumschlagen, die bei der Vorliebe des Hofes für die Italiener Bevorzugung genossen. Nachdem aber Stranitzky eine Zeitlang obdachlos dastand und dann ein Ballhaus bekommen habén dürfte, ereignet sich das Unglaubliche, dafi ihm, nach Abgang der Italiener, die es zuerst besetzt hielten (1709), das neuerbaute Haus beim Karntnertor, der erste und alteste Vor= laufer der Wiener Staatsoper, überlassen wird. Von da ab hat nicht nur Hans=