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Ihr Leben passt in einen Koffer
Chiara, Kind! «
Die fremde junge Frau stand in der Zimmertür und blickte ernst.
Chiara hockte am Boden und sortierte Mutters Knöpfe. Das hatte sie schon eine Ewigkeit nicht mehr getan. Das letzte Mal, als sie elf oder zwölf Jahre alt gewesen war.
Die Frau zögerte einen Moment. Dann ging sie in die Küche zurück, wo die anderen waren, die beiden Carabi-nieri und der Schreiber Signore Tulpino mit der derb riechenden Aktentasche, dem Gänsekiel und seinem Tinten-fass.
Die meisten Knöpfe waren aus Holz, eine Menge aus Perlmutt, viel weniger aus Elfenbein. Chiara ordnete sie nach Größen und Farben. Eine kleine Garnison formierter Soldaten war entstanden, ein strenges Gefüge aus Reihen und Rechtecken, die ihrerseits ein großes, scharf umgrenztes Feld bildeten. Eine Ordnung jedenfalls und klare Ubersicht.
Sie saß davor und starrte darauf und fühlte, wie sich die Taubheit unaufhaltsam in ihr ausdehnte. Sie konnte nichts denken und nichts empfinden.
Wie oft hatte sie als Kind darüber nachgedacht, wie es wohl wäre, die Mutter zu verlieren oder den Vater? Einem Jungen aus der Nachbarschaft war es passiert. Sein Vater starb am Hirnschlag. Der Junge und sie waren damals zehn