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Die versunkene Wehrmacht1Es gehört zu den charakteristischen Besonderheiten Österreichs, daß man hier oft durch Jahre, wenn nicht Jahrzehnte hindurch nie ganz sicher sein kann, ob etwas, das von Rechts wegen und nach der offiziellen Version eigentlich gar nicht mehr existiert, nicht doch vielleicht da und dort noch vorhanden ist. Das hängt mit der außerordentlich vielschichtigen inneren Struktur dieses Landes zusammen, über deren Beschaffenheit freilich nur ein kleiner Kreis von Eingeweihten, nämlich der der geübten und vom Schicksal geprüften Austriazisten, einigermaßen Bescheid weiß. Sie wird gebildet von einem ungemein feinen Gewebe aus geschichdichen Gegebenheiten, geistigen Strömungen und emotionellen Einstellungen, das einerseits eine gegen äußeren Druck sehr elastische, andrerseits aber in sich ungemein poröse und damit sehr durchlässige Schicht darstellt, in der die Dinge, die man aus irgendeinem Grund beseitigt, verdrängt, abgeschafft hat, meist ohne Widerstand zu leisten mehr oder minder lautlos versinken. Aber deswegen sind sie noch lange nicht tot. Sie führen vielmehr oft dort drinnen ein merkwürdiges Untergrunddasein. Der Alltag, das moderne Leben oder das, was man dafür hält, rollt zwar über sie hinweg, ohne von ihrer Existenz überhaupt nur zu ahnen. Aber dann undwann sickert von dort unten her nach oben etwas durch, so etwa, wie wenn beim Bruch einer unterirdischen Wasserleitung sich an der Oberfläche, mitten im Getriebe des Verkehrs, ein feuchter Fleck, ja vielleicht sogar eine Pfütze bildet. Das erregt dann Aufsehen, nicht selten unliebsames, weil dergleichen verwirrend, wenn nicht störend wirkt. Diese Störungen sind aber nicht dadurch zu beseitigen, daß man sie einfach mit ein paar Schaufeln Erde bedeckt oder, schlicht gesagt, mit Dreck bewirft. Denn durch derlei Repressionen, im Volksmund Vergangenheitsbewältigung genannt, bildet sich an solchen Stellen bestenfalls Schlamm, und das kann gefährlich werden.Eben dies ist immer wieder bei einem Phänomen zu beobachten, das bereits vor nahezu zwei Generationen für tot erklärt wurde und seitdem doch immer wieder die Gemüter zwar nicht sehr stürmisch, aber doch nachhaltig bewegt: die alte, kaiserliche Armee. Man möchte dies eigentlich auf den ersten Blick gar nicht glauben. Aber die Diskussion über sie, die bis in die jüngste Gegenwart hereinreichte und wobei politische und geschichtliche Argumente in eine für den Außenstehenden oft ganz unverständliche Frontstellung gegeneinander gebracht wurden, die beweist nur, daß es sichHEERSCHAU DER VERGÄNGLICHKEITAite Geschürzrohre im Wiener Arsenal