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Johann Sebastian Bach - Die Kunst der Fuge [antikvár]

Die Kunst der Fuge [antikvár]

Johann Sebastian Bach

 
VORWORT Bach mußte die Kunst der Fuge bei seinem Tod unvollendet hinterlassen — die letzte Fuge hatte er nicht mehr zu Ende bringen können. Dieses Werk war bisher immer von Mythen umgeben und hat viele probiembelade-ne Fragen aufgeworfen. Leider wird es nur sehr selten auf einem Tasteninstrument aufgeführt, weil es wegen seiner angeblich strengen Kontrapunktik und intellektuellen Unerbittiichkeit als untauglich für das Klavier oder Cembalo gilt. Zudem standen bislang drei Fragen hinderlich im Wege: Welches ist die richtige Reihenfolge...
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VORWORT Bach mußte die Kunst der Fuge bei seinem Tod unvollendet hinterlassen — die letzte Fuge hatte er nicht mehr zu Ende bringen können. Dieses Werk war bisher immer von Mythen umgeben und hat viele probiembelade-ne Fragen aufgeworfen. Leider wird es nur sehr selten auf einem Tasteninstrument aufgeführt, weil es wegen seiner angeblich strengen Kontrapunktik und intellektuellen Unerbittiichkeit als untauglich für das Klavier oder Cembalo gilt. Zudem standen bislang drei Fragen hinderlich im Wege: Welches ist die richtige Reihenfolge der einzelnen Teile? Hat Bach vielleicht noch weitere Fugen dazukomponieren wollen, von denen jede Spur fehlt? Und gehört die berühmte unvollendete Fuge überhaupt zum Werk? Inzwischen haben verschiedene Musikwissenschaftler alle wesentlichen Fragen in Zusammenhang mit diesem bedeutenden Werk überzeugend beantworten können, so daß sich Bachs Intentionen fast vollständig nachvollziehen lassen. Wir wissen jetzt, daß Bach für die Aufführung in erster Linie an das Cembalo gedacht hat; die geplante Anordnung läßt sich mit großer Sicherheit rekonstruieren; es ist sicher, daß das Werk, abgesehen von der unvollendet gebliebenen letzten Fuge, vollständig vorliegt. Und diese letzte Fuge war tatsächlich als Teil des Zyklus gedacht, da Bach ihr durch die ursprüngliche Seitenanordnung für die erste Druckausgabe selbst einen festen Platz zugewiesen hatte. Die Kunst der Fuge ist ein Werk für Cembalo und besteht aus 14 Fugen, die nach zunehmendem Schwierigkeitsgrad angeordnet sind. Vier Kanons über dasselbe Soggetto der Fugen, ebenfalls nach steigendem Grad der Kunstfertigkeit einander folgend, bilden eine Art Coda des Ganzen. Dieser Aufbau ist in der vorliegenden Ausgabe wiederhergestellt. Die Interpreten mag es interessieren, daß Bachs Autograph die Fugen 1 und 3 sowie die Fugen 8 und 11 hintereinander stellt. Den Plan zu einem solchen Werk hat Bach vielleicht sein Leben lang mit sich herumgetragen, möglicherweise seit er 1705 ,,zu Lübeck geweßen umb daselbst ein und andres in seiner Kunst zu begreiffen*', wie er sich ausdrückte (Protokoll des Konsistoriums, Arnstadt, 21. 2. 1706). Die Spiegelfugen jedenfalls erinnern auffallend an die beiden vierstimmigen d-moll-Sätze in Buxtehudes Fried und freudenreiche Hinfarth (1674), die dort ,,Contrapunetus" heißen und denen jeweils eine spiegelverkehrte ,,evolutio** folgt. In seinem letzten Lebensjahr oder nur wenig früher bereitete Bach die Kunst der Fuge für den Notenstich vor, der von Johann Heinrich Schübler ausgeführt werden sollte, dem jüngeren Bruder des Johann Georg Schübler, der die sechs Orgelchoräle, die sog. ,,Schüb-ler-Choräle", gestochen hatte. Das Werk erschien im Frühjahr 1751, ungefähr zwölf Monate nach Bachs Tod, und erlebte 1752 eine zweite Auflage. Vermutlich hatte sich Bach ernsthaft mit dem Werk beschäftigt, als 1742 der Zweite Teil des Wohltemperierten Claviers abgeschlossen war. Entwürfe und Autographen der Erstfassungen sind nicht überliefert, wohl aber eine eigenhändige Reinschrift von ungefähr 1745, die fast alle Teile (12 Fugen und 2 Kanons) enthält, und zwar in Partitur-Anordnung wie in der gestochenen Ausgabe. Vielleicht wollte Bach die Kunst der Fuge bis Juni 1749 gedruckt in Händen haben, um sie als seine dritte und letzte Gabe bei der Mizlerschen Sozietät der musikalischen Wissenschaften einzureichen, der er im Juni 1747 beigetreten war. (Nach deren Statuten hatten die Mitglieder nämlich bis zum 65. Lebensjahr jährlich ein veröffentlichtes ,,wissenschaftliches** Werk vorzulegen. Bach lieferte als ersten Beitrag für das Jahr 1747 die kanonischen Veränderungen über Vom Himmel hoch-, als zweiten, der Juni 1748 fällig war, vermutlich das Musikalische Opfer.) Im Juni 1749 hatte sein Augenlicht bedrohlich abgenommen. Trotzdem arbeitete er, fast gänzlich erblindet, mit Hilfe seiner jüngeren Söhne, die noch zu Hause wohnten, weiter. Der Tod ereilte ihn nach einem Schlaganfall am Abend des 28. Juli 1750. Anscheinend kannte niemand seine Absichten mit diesem Werk. Die wenigen Stücke, die noch nicht gestochen waren, wurden eilig zum Stich gegeben. Im Nachlaßverzeichnis findet sich ein Zahlungseintrag für ,,Herrn Schübler** in Höhe von 2 Thalern und 16 Groschen. Bachs Familie wollte die Ausgabe fertigstellen und beging aus Unkenntnis eine Reihe von gravierenden Fehlern, die bis heute das Werk beeinträchtigen: 1. Zwei Nummern wurden eingefügt, die nicht hineingehören: eine zusätzliche (frühere) Fassung der Fuge 10, die in ihrer endgültigen Gestalt bereits vertreten ist; und — ganz fehl am Platz — der Orgelchoral Wenn wir in höchsten Nöten sein. (Eine als Vorwort vorangestellte ,,Nachricht** besagt ausdrücklich, man habe den Choral quasi als Entschädigung für die unvollständige letzte Fuge beigegeben.) Beide Nummern sind in der vorliegenden Ausgabe ausgeschieden. 2. Zwei Nummern wurden aus ihrem Zusammenhang gerissen: Die unvollendete Fuge verlor ihren mit Vorbedacht gewählten krönenden Platz als 14. Fuge, und der Kanon in Umkehrung und Vergrößerung wurde unsinnigerweise von der vierten auf die erste Stelle versetzt. Gregory Butler hat überzeugend nachgewiesen, daß Bach die unvollendete Fuge ausdrücklich nach der Nr. 13 angeordnet haben wollte. Es kann kein Zufall sein, daß Bach sein Namens-Soggetto B-A-C-H exakt am Ende der 14. Fuge einführt, da ja bekanntlich 14 das Zahlzeichen seines Namens bedeutet. Beide Nummern sind in der vorliegenden Ausgabe wieder auf ihren richtigen Platz gestellt worden. (Die Gründe, welche die Familie

Termékadatok

Cím: Die Kunst der Fuge [antikvár]
Szerző: Johann Sebastian Bach
Kiadó: G. Henle Verlag
Kötés: Varrott papírkötés
Méret: 170 mm x 240 mm
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