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Einleitung
Die vorliegende Untersuchung mit dem Titel »Die Kunst der Maya - von den Olmeken zu den Maya-Tolteken« hat zum Ziel, in Text und Bild eine Arbeit vorzulegen, welche die Ausdrucksformen einer bestimmten Region der prä-kolumbischen Kunst auf dem Gebiet der Architektur, der Skulptur, der Malerei und der Keramik - nicht zu vergessen die Stadtplanung - erforscht. Dies geschieht im Lichte der Kultur und der zivilisatorischen Grundlagen, der Religion und der Technologie, auf denen die Werke beruhen, die wir heute bewundern dürfen.
Insofern es unsere Absicht ist, so genau wie möglich eine »Ästhetik« zu beschreiben, kann der Begriff »Kunst« jedoch offensichtlich nur im Nachhinein auf dieses Kulturstadium angewandt werden. Wenn wir die olmeki-schen oder Maya-Werke als künstlerische Äußerungen bezeichnen, lassen wir uns einen schwerwiegenden ethnographischen und historischen Widersinn zuschulden kommen. Das künstlerische Schaffen hatte ursprünglich ein Suchen nach dem Heiligen als Beweggrund, eine Annäherung an die Götter und die kosmischen Kräfte, die man durch die Schönheit zu »zähmen« suchte. Gewiß, es ist eine häufig vorkommende schiefe Auffassung der Archäologen und Kunsthistoriker, zu meinen, jede Äußerung der alten Völker sei religiös. Vielleicht haben »Laienkulturen« existiert, oder wenigstens Produktionen, die weder für die Götter noch für die Riten bestimmt waren. Was die Welt der Olmeken und Maya betrifft, so werden wir sehen, daß alles einer solchen Hypothese widerspricht, daß die Werke im Gegenteil von einer konstanten Sorge um den Kult beherrscht zu sein scheinen. Sie fügen sich einer strengen Hierarchie — im ursprünglichen Sinn einer heiligen Ordnung — ein, innerhalb eines Systems, das von den göttlichen Kräften durchwoben ist.
Wollen wir den Gegenstand dieser Untersuchung geographisch umschreiben, so können wir sagen, daß sie die präkolumbischen Völker in jenen Ländern behandelt, die sich vom Golf von Mexiko und von Yucatan nach Guatemala und Honduras erstrecken, das heißt vom Karibischen Meer über das Peten und Chiapas bis zum Pazifik. In dieser Zone Mesoamerikas, die ungefähr 360000 Quadratkilometer umfaßt und damit die Fläche der Bundesrepublik Deutschland um deren Hälfte übertrifft, stellt das Land der Olmeken und Maya schematisch ein großes gleichschenkliges Dreieck dar, dessen Spitze im Norden von der Halbinsel Yucatan gebildet wird und dessen Seitenlänge nicht weniger als 1000 km mißt. In diesem Teil Mittelamerikas kann man im großen ganzen drei verschiedene Perioden oder Kulturen unterscheiden;
a) Die Kultur der Olmeken, welche die Mutter-Hochkultur der präkolumbischen Welt in der nördlichen Hemisphäre zwischen 1500 v.Chr. und dem Beginn unserer Zeitrechnung darstellt.