Bővebb ismertető
Vorvvort Die Kunst der Naturvölker, die sogenannte «primitive» Kunst, in einem einzigen Band zu beschreiben und zu analysieren, kann wahrhaftig nicht als leichte Auf= gabe bezeichnet werden. Nicht nur deshalb, weil ihre Schöpfungen in Form und Ausführung aufierordentlich verschieden sind, sondern auch, weil die Gegenstánde selbst über die ganze Welt verstreut sind. Aufierdem mufi auch noch berücksichtigt werden, dafi von den kunstschaffenden primitiven Stámmen heute nur noch recht wenige sich künstlerisch betátigen, so dafi der Zugang in die Vorstellungswelt der Naturvölker fast ausschliefilich über dk einschlágige Fachliteratur möglich ist. Diese Literatur, die mit den ersten Berichten der Missionare beginnt und bis zu den ausführlichen Abhandlungen und Studien der Ethnologen von heute reicht, ist sehr weit verbreitet und umfangreich. Das schwierigste Problem, dem sich jeder Forscher und Deuter der primitiven Kunst gegenübersieht, ist jedoch der Umstand, dafi ihm fast gar. keine zuver= lássigen Auskünfte über den Ursprung und die Entwicklung der einzelnen Stile zur Verfügung stehen. Die Kunst der Naturvölker weicht in dieser Hinsicht völlig von der der kultivierten Völker ab, denn diese hat sich in ihren verschiedenen Stilformen - im romanischen, gotischen, Renaissance= und Barockstil - verháltnis= máfiig klar und übersichtlich entwickelt, dafi die gegenseitigen Beziehungen zwi= sehen ihnen stets erkennbar sind. Eine solche Verbundenheit in der historischen Entwicklung kann man in der Kunst der Naturvölker nicht beobachten. Alle ihre Stile sind scheinbar gleich alt, all ihre Schöpfungen sind von der gleichen Einzig= artigkeit. Deshalb ist es sehr schwer, primitive Kunstformen miteinander oder mit anderen kulturellen Erscheinungen in Verbindung zu bringen. Glücklicherweise gibt es aber einige Momente, die die Arbeit der Forscher er= leichtern. Im Laufe der letzten hundert Jahre habén die Fachgelehrten eine Menge wichtiger Informationen über das Leben und über die Kultur der Naturvölker ge= sammelt. Der Forscher kann alsó, wenn er will, über ihre verschiedenen Kunst= formen in der Terminologie ihres Inhalts, ihrer magisch=religiösen Funktionen und ihrer gesellschaftlichen Aufgaben diskutieren. Dies ist auch geschehen, und - wie man wohl behaupten darf - in manchen Fállen mit Verstándnis und betrácht= licher Geschicklichkeit. Dieses Vorgehen ist jedoch mit einer gewissen Gefahr ver= bunden. Wenn námlich der Forscher seine ganze Aufmerksamkeit ausschliefilich auf die Gegebenheiten des Gebietes oder des Gegenstandes, den er eben bearbeitet,