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„Ich hielt mich stets von Meistern entfernt, Nachtreten ware mir Schmach. Hab' alles von mir selbst gelernt."--- „Es ist auch danach!" Unter der Hülle der schwungvollen Formensprache des Barocks regten sich im achtzehnten Jahrhundert stárker und stárker die Gegenkráfte, die zu jener ,,edelen Einfalt und stillen Gröűe" hindrángten, die Winckelmann in der Antiké, wie er sie schaute, fand. Trotz allén, besonders von der Romantik getragenen anderen Strömungen blieb weit über ein Jahrhundert lang die Antiké im Grundé Die Kunst, die den Maűstab gab für alle Kunst. Als dann aber jene neue Renaissance wieder áhnliche Wege ging wie ihre Vorgángerin, als gegen das Ende des neunzehnten Jahrhunderts groŰtönende Werke die Übermacht gewannen und sich nun wieder eine Umkehr vorbereitete, da hob sich unter dem, wonach man jetzt ausschaute, immer deutlicher auch die altágyptische Kunst mit ihren schlichten Formen heraus. Die Rückkehr zur griechischen Art befriedigte nicht mehr allgemein. Es hatten wohl schon vorher auBer den Fachgelehrten auch einige Künstler die ágyptische Kunst der Anerkennung gewürdigt; das wird zum Beispiel von Thorwaldsen und Rauch überliefert. Aber erst ungefáhr seit der letzten Jahrhundertwende rückt sie für viele unter die ewigen Muster, denen jede wahre Kunst auf eigene Weise nachzustreben habe. Ja, wáhrend vorher, bei aller Schátzung, das Ágyptische doch nur als der Vorláufer galt, als der früh versagende Wegbereiter des Griechischen, mehren sich nun die Stimmen, die sich erkühnen, in ihm das schon einmal erreichte, leider wieder entglittene Hochziel, dagegen in der griechischen Kunst seit dem fünften Jahrhundert den Beginn der Entartung, ja eben den Verderber selbst, feststellen zu wollen. Solche Urteile über die Leistungen vergangener Zeiten kommen und gehen mit den Geschlechtern der Menschen, und der schöpferische Teil eines jeden hat das Recht, im Früheren nur das mit günstigem Auge anzusehen, was auf die Bahn weist, die er selbst zu laufen sich getrieben fühlt. Aber nicht nur die Schlichtheit der Formen in ihrer auBeren und inneren Geschlossenheit zog zur ágyptischen Kunst. Es kam noch etwas anderes hinzu. Seit dem Beginn unseres Jahrhunderts ging durch die Kunst ein Umschwung in der künstlerischen Sehweise von einer Stárke und einer Entschiedenheit der bewuBten Abkehr vom bisher Gepflegten, wie sie seit vierhundert Jahren nicht •erhört war, seit die Renaissance die mathematischen Gesetze der Perspektive