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EUGENE DELA CROIX (1798-1863)
»Der höchste Vorzug eines Bildes ist es, dem A uge ein Fest zu gehen. «
FUNDAMENTE IN THEORIE UND PRAXIS
VOM SINN DES MALENS
Malen heißt, Farben in bestimmter Weise auf einer Fläche anzubringen. Dies kann in verschiedener Weise geschehen. Sehr flüssig, wie eben beim Aquarell, oder mehr pastos wie bei der Ölmalerei, es kann auf größeren Flächen getan werden, wie etwa bei Wandfresken, oder auf sehr kleinen, wie bei den Elfenbeinplättchen der Porträtminiaturen, man kann breit hinstreichende Pinsel verwenden oder zarteste Punktierungen vornehmen, alles das - so verschieden es auch sein mag - ist Malerei. Und doch liegt in dem Begriff Malen neben solchen technischen und quantitativen Unterschieden etwas ganz anderes, Besonderes, das alle Malerei vereint: eine bestimmte qualitative Eigenschaft.
Malen heißt nämlich immer, mit den Mitteln von Farben und Formen durch deren gestaltendes Ordnen etwas mitzuteilen, auszusagen, etwas anders nicht Formulierbares wahrnehmbar zu machen. Es heißt, eine dem Menschen gegebene Fähigkeit zur Wahrnehmung bestimmter visueller Phänomene zu nutzen. Malerei ergänzt nämlich nicht, schmückt oder ersetzt andere Wahrnehmungen, erinnert nicht bloß an Gesehenes oder Gewesenes, gibt Illusionen irgendeiner Wirklichkeit; solche Funktionen sind längst durch andere Medien und deren Möglichkeiten übernommen worden, durch die Photographie, durch Film, die Videoaufzeichnung, die allesamt aber das Wesentliche am Malen keineswegs abgelöst oder ersetzt haben; Malerei brachte und bringt immer etwas nur ihr Eigenes zustande, sie ist ihre eigene Wirklichkeit. Ihre Farben und Formen vermögen nämlich die äußere oder innere Vision eines Künstlers in unmittelbare Wirkungen von hoher Intensität umzuwandeln, sie vermögen Erlebnisse auszulösen, die allerdings auf seilen des Betrachters einiges an Sensibilität und Wollen voraussetzen.
Jedes Beschäftigen mit Kunst überhaupt, mit Malerei aber im besonderen hat daher die allererste Aufgabe darin, Menschen empfänglicher, sensibler für solche Mitteilungen zu machen und aus besserem Verständnis und Verstehen dann das Wollen zu ihrer Entgegennahme herbeizuführen. Ohne die beiden Pole nämlich kommt es gar nicht dazu. Das muß man von allem Anfang an wissen, da sonst die Mißverständnisse nicht abreißen. Max Slevogt hat dies 1907 in »März« einmal sehr deutlich formuliert: » daher dann auch diejenigen, die Kunst genießen wollen, schon ihrerseits etwas Mitschaffende sein müssen. -Sie müssen das Produktive, Erregende des Künstlers auffangen und in sich weiterschaffen können oder wenigstens wollen - dann erst wird ein Kunstwerk in ihnen lebendig werden.«'
Daß ein Kunstwerk schaffen allein noch nicht genügt, haben Künstler immer wieder ausgedrückt, weil es eine geistige Kraft für jemanden ist, für einen, an den es sich wendet, der ihm aber auch zugewandt sein muß. »Die Kunst ist im Ganzen nicht ein zweckloses Schaffen der