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ZU DIESEM BUCH
Wie Heranwachsende zu erziehen seien, das hat die Menschheit seit jeher bescháftigt; und die pádago-gischen Rezepte fielen so unterschiedlich wie paradox aus. Dies ist ebenso eine Binsenweisheit wie die Einsicht, da6 jede Pádagogik wohl oder übel gezwungen ist, sich im Ver-háltnis zur jeweiligen Gesellschaft zu definieren. Demnach hángt sie von ideologischen oder gesellschaftspoiitischen Entscheidungen ab - und schwindelt sich für gewöhnlich trickreich am Kind vorbei,
lm Hyperion láBt Hölderlin seinen Eremiten wunder-schön pathetisch deklarieren: »Ja! ein göttlich Wesen ist das Kind, solange es nicht in die Chamáleonsfarbe der Menschen getaucht ist. Es ist ganz, was es ist, und darum ist es so schön. [ ] Aber das können die Menschen nicht leiden. Das Göttliche mu(3 werden, wie ihrer einer, muB erfahren, daB sie auch da sind, und eh es die Natúr aus seinem Paradiese treibt, so schmeicheln und schlep-pen die Menschen es heraus, auf das Feld des Fluchs, daB es, wie sie, im SchweiGe des Angesichts sich abarbeite.«
Jahre vor Hölderlin hat der Tausendsassa Jean-Jacques Rousseau seinen Zeitgenossen verraten, alle Erziehung scheitere daran, daB die Natúr weder Eltern zu Erziehern erschaffen habe noch Kinder, um erzogen zu werden. Aber Rousseau ist auch ein Dompteur, der sich in seinem Emilé durchaus Ungereimtheiten leistete: »LaBt ihn [den Zögling] immer im Glauben, er sei der Meister, seid es in