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VORWORT
Die Wiener Kunstlammer gehört mit ihren Beständen weltweit zu den bedeutendsten Sammlungen ihrer Art. Ihr Reichtum und ihre Vielfalt gehen im Wesentlichen immer noch auf jene Schatz- und Kunstkammern des späten Mittelalters, der Renaissance und des Barock zurück, die einige herausragende Sammlerpersönlichkeiten des Hauses Habsburg zusammentrugen und weitergaben. Der Rang dieser Familie, die zu den politisch einflussreichsten Dynastien Europas mit weitreichenden Kontakten und entsprechenden finanziellen Mitteln gehörte, hatte sich auch im hohen Anspruch, im künstlerischen Niveau und in der Vielfalt der gesammelten Objekte widerzuspiegeln. Dies bestimmt bis heute die außergewöhnliche Qualität der Wiener Bestände.
Die vielfältigen Objekte der unterschiedlichen habsbur-gischen Kunstkammern des 16. und 17. jahrhunderts, in denen Zeugnisse der Natur gleichberechtigt ihren Platz neben den Leistungen menschlicher Kreativität hatten, wurden im Verlauf des 18. und 19. jahrhunderts auf die neu gegründeten kaiserlichen SpezialSammlungen verteilt; leider gingen dabei auch einige Objektbestände unwiederbringlich verloren. Die zum Sinnbild der Kunst- und Wunderkammern gewordenen, von der Decke hängenden Tierpräparate und die mit kuriosen und bizarren Dingen dicht gefüllten Schränke sucht der Besucher in der in einem Museumsbau des 19. jahrhunderts eingerichteten Wiener Kunstkammer daher vergeblich. Es bietet sich ihm aber eine einzigartige Fülle an höchstrangigen Werken der Goldschmiedekunst und des Steinschnitts, an Bronzestatuetten, Arbeiten aus Elfenbein, Holz und Bernstein sowie Meisterwerken der Feinmechanik, die ihre Entstehung alleine dem Prinzip und dem Geist fürstlicher Kunstkammern verdanken.
Das vielfach vom individuellen Interesse und vom Repräsentationsanspruch einzelner Sammler, wie Erzherzog Ferdinand II. (1529-1595) oder Kaiser Rudolf Ii. (1552-1612), geprägte Erscheinungsbild dieser Kunstkammerobjekte erfordert eine besonders intensive Art der Auseinandersetzung, zumal uns ihre Materialität und Bearbeitungstechniken heute nicht mehr selbstverständlich vertraut sind und als schätzenswert erscheinen. Die Form der Objektpräsentation und die begleitende Didaktik im Rahmen der aktuellen Neugestaltung der Wiener Kunstkammer sollen und werden dazu beitragen, dievielschichtige undfaszinierende
Welt der historischen fürstlichen Kunstkammern besser kennen und verstehen lernen zu können. Im Dienste der damit einhergehenden Bemühungen aller an diesem großen und wichtigen Projekt Beteiligten, den Bestand bestmöglich zu erschließen und zugänglich zu machen, steht auch die voriiegende Publikation mit ihren zahlreichen Groß- und Detailaufnahmen sowie den Erläuterungen zu rund 150 Meisterwerken der Sammlung. Für das Zustandekommen dieser Publikation haben die Herausgeber vielen Kolleginnen und Kollegen zu danken. An erster Stelle stehen hierbei die verantwortlichen Kuratorinnen und Kuratoren der Kunstkammer, die in einer Zeit, in der es in Hinblick auf die Neueinrichtung der Sammlung besonders viele Herausforderungen zu bewältigen galt, ihr reiches Wissen und ihre bedeutenden Spezialkenntnisse zu den Objekten in die kurze und knappe Form der hier vorgesehenen Texte zu bringen wussten. Von zentraler Bedeutung für die ansprechende Ausstattung des Bandes war das große persönliche Engagement des Kreativdirektors des Kunsthistorischen Museums, Herrn Stefan Zeisler, mit dem er - wie schon bei dem ebenfalls im Brandstätter Veriag erschienenen Band zur Baugeschichte, Architektur und Dekoration des Kunsthistorischen Museums - auch auf die Gestaltung dieser Publikation wesentlichen Einfluss genommen hat. Mit ebenso großem persönlichen Einsatz hat Frau Dr. Elisabeth Herrmann das Lektorat der Texte in vorbildhafter Weise betreut.
Nicht zuletzt danken alle Beteiligten dem Christian Brandstätter Veriag für die gemeinsame Arbeit an diesem Projekt und die Aufnahme des prachtvollen Bandes in sein Veriagsprogramm. Wir hoffen, dass er seinen Platz in den Buchregalen vieler interessierter Kunstliebhaber finden wird, die sich - so wie wir - von den zahllosen großartigen Facetten der hier präsentiertien Meistwerke der Wiener Kunstkammer erfreuen, bewegen und inspirieren lassen können und wollen.
Dr. Sabine Haag
Generaldirektorin, Direktorin der Kunstkammer / Weltlichen und Geistlichen Schatzkammer
Dr. Franz Kirchweger Kurator der Kunstkammer / Weltlichen und Geistlichen Schatzkammer