Bővebb ismertető
Vorwort zur 1. Auflage
(gekürzt)
Ein tiefergehendes Verständnis normaler und krankhafter Lebens-
vorgänge bei höher entwickelten tierischen Organismen ist ohne Kenntnis
der Nervenfunktionen unmöglich. Zu dieser Einsicht sind Biologen, Medi-
ziner und Psychologen schon seit Jahrzehnten gelangt. Die Lehre von den
Leistungen des Nervensystems bildet somit eine Grundwissenschaft für
viele Forschungszweige, die sich die Aufdeckung normaler und patholo-
gischer Lebensgesetze zum Ziele gesetzt haben.
Wer allerdings versucht, aus der deutschen Literatur Einblicke in die
nervösen Funktionen zu gewinnen, wird auf eine merkwürdige Lücke
stoßen. Zwar fehlt es nicht an guten Darstellungen des Baues und der
verschiedenen Krankheitsbilder des Nervensystems. Die anatomischen
Lehrbücher erörtern jedoch die physiologischen Zusammenhänge meistens
nur andeutungsweise, und die neurologischen lassen die neuesten Ergeb-
nisse der Neurophysiologie weitgehend unberücksichtigt. Neurophysio-
logische Tatsachen findet man im deutschen Schrifttum nur in veralteten
Handbüchern oder verstreut in umfangreichen Referatezeitschriften. Die
Folge ist, daß in der deutschen medizinischen Literatur neurobiologischen
Erörterungen und Schlußfolgerungen entweder ausgewichen wird oder sie
(viel häufiger) mit Prämissen belegt werden, die in krassestem Widerspruch
zu den neuesten Forschungen am Nervensystem stehen.
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Diesem Mangel versucht das vorliegende Buch abzuhelfen. Um den Leser
der Notwendigkeit zu entheben, während der Lektüre stets ein anatomisches
Lehrbuch bei der LIand zu haben, wurde die Neuroanatomie etwas ausführ-
licher behandelt, als es der Themenstellung entspricht. Auf der anderen Seite
hielt der Verfasser sich für verpflichtet, alle angezogenen Tatsachen möglichst
mit Literaturangaben zu belegen. Das über 1900 Einzuarbeiten berücksichti-
gende Schrifttumsverzeichnis am Schluß des Buches stellt natürlich nur einen
kleinen Bruchteil der am Nervensystem geleisteten Forschungsarbeit dar.
Der Verfasser ist sich darüber im klaren, daß er nicht immer die richtige
Auswahl getroffen und vor allem Arbeiten von Forschern unerwähnt ge-
lassen hat, die für unsere Kenntnis der nervösen Funktionen Grundlegendes
geleistet haben. Während der Niederschrift schwebten dem Verfasser stets
ciie Worte P. Hoffmanns (1941) vor: ,,Was auf diesem Gebiete an Nicht-
beachtung der Resultate und Ansichten anderer Forscher und ,Schulen',
auch Nationen, geleistet wird, ist überwältigend und zweifellos auch direkt
den Fortschritt hemmend.'4 Bei dem vorgesehenen Raum mußte sich der
Verfasser aber gewisse Beschränkungen auferlegen; aus diesem Grund hat
er sich bei allen Fragen, die in den üblichen Lehrbüchern eingehend be-
handelt werden, meist mit Hinweisen auf diese Werke begnügt.
Es lag dem Verfasser fern, ein Lehrbuch zu schreiben. Es sollten im
Gegenteil hauptsächlich die Fragen angeschnitten werden, die in den ge-
bräuchlichen Lehrbüchern übergangen werden, die aber der angehende