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Nikos Kazantzakis - Die Letzte Versuchung [antikvár]
 
1 Es blies ein linder, kühlender Wind, der ihn mit sich zog. Über ihm spannten die flammenden Sterne ihr Netz, der Himmel stand voller Blumen, zu seinen Füßen dampften die Steine nodi von der Hitze des Tages. Himmel und Erde waren in ein tiefes, von Jahrhunderten geschaffenes Schweigen versunken, das stiller war als das Schweigen selbst, es war die Stimme der Nacht. Ruhe und Frieden herrsditen ringsum, Gott hatte seine Augen, die Sonne und den Mond gesdilossen und sich zur Ruhe begeben. Es war dunkel und modite Mitternacht sein. Als er...
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1 Es blies ein linder, kühlender Wind, der ihn mit sich zog. Über ihm spannten die flammenden Sterne ihr Netz, der Himmel stand voller Blumen, zu seinen Füßen dampften die Steine nodi von der Hitze des Tages. Himmel und Erde waren in ein tiefes, von Jahrhunderten geschaffenes Schweigen versunken, das stiller war als das Schweigen selbst, es war die Stimme der Nacht. Ruhe und Frieden herrsditen ringsum, Gott hatte seine Augen, die Sonne und den Mond gesdilossen und sich zur Ruhe begeben. Es war dunkel und modite Mitternacht sein. Als er ergriffen daran dadite, was für ein Paradies, was für ein friedlicher Ort dies hätte sein können, wurde der Wind plötzlidi scharf und schwer. Es war nicht mehr Gottes fächelnder Wind - sondern ein fetter, erstidcender Dunst, als ob ein wildes Tier oder ein Dorf dort unten schwer atmend auf schamlosen Plätzen oder in feuchten, dungschweren Gärten zur Ruhe zu kommen suchte, aber nicht Ruhe fand. Dick und schwärend lastete der Wind; von Tieren und Mensdien, von allen Geschöpfen mit Haut und Haar stiegen warme Dünste auf, auch der strenge Duft frisch gebackenen Brotes, der Geruch mensdilichen Sdiweißes und des Lorbeeröls, mit dem die Frauen sich das Haar einrieben, lag in der Luft. Man wand sich und ächzte und atmete bedrückt, aber man sah nidits. Allmählich gewöhnten sich die Augen. Nun waren im Dunkel Wasserfälle, Dattelpalmen und eine hochragende, ernste Zypresse, nodi dunkler als die Nacht, zu erkennen und dünnlaubige Olivenbäume, die sich leise im Winde bewegten und wie Silber im Dunkel leuchteten. Auf der grünen Brust der Erde lagen in Haufen oder einzeln verstreut kleine, ärmlidie, viereckige Häuser, die aus Nacht, Schmutz und Ziegelsteinen geschaffen und ganz mit Kalk bestrichen waren. Auch auf den Terrassen, die teils mit weißen Laken belegt, teils unbedeckt waren, spürte man den Dunst sdilafender Menschen. Doch nun herrschte nicht länger dieses Schweigen. Diese selige, einsame Nacht war voller Unruhe und Ängste. Die Hände und Füße der Menschen, die keine Ruhe fanden, bewegten sich nervös. Brüste hoben sidi seufzend, Tausende von Stimmen versuchten beharrlich und hoffnungslos in dem todestiefen, stummen

Termékadatok

Cím: Die Letzte Versuchung [antikvár]
Szerző: Nikos Kazantzakis Nikosz Kazantzakisz
Kiadó: F. A. Herbig Verglagsbuchhandlung GmbH
Kötés: Fűzött keménykötés
Méret: 130 mm x 210 mm
Nikos Kazantzakis művei
Nikosz Kazantzakisz művei
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