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Die Zarin Alexandra
I am but a woman fighting ior her Master and Child, her two dearest ones on earth.
Alexandra Feodorowna an den Zaren, 12, November 1916,
Mit diesem Buch erschließt sich eine zeitgenössische Geschichtsquelle von unerschöpflicher Tiefe. Denn was sie gibt, ist mehr als das abgeblaßte Erinnerungsbild, das eine alte Hofdame oder ein verbannter General zu bieten hat; was sie gibt, ist mehr als das sorgfältig zurechtgestutzte Tagebuch eines Ententebotschafters, der die Ereignisse immer nur durch das Prisma seiner eigenen Persönlichkeit betrachtet; was sie gibt, ist die Wirkhchkeit selbst, ihr Niederschlag, der in den täglichen Notizen einer hiitten in den Dingen stehenden Persönlichkeit automatisch zusammenrinnt. Und da diese Persönlichkeit niemand anders ist als die letzte Zarin, so steigern sich die in den folgenden Blättern wiedergegebenen Briefe und Tagebuchblätter zu menschlichen Dokumenten von erschütternder Wucht. Denn die Zarin war keine zünftige Politikerin, die die Dinge mit kühlem Auge an sich vorüberziehen läßt; sie war überhaupt keine Politikerin, war an der Politik nur insofern interessiert, als sie das Schicksal ihres Gemahls und ihrer Kinder bedeutete; und so verwandelte sich das Schicksal Rußlands in ihrem Herzen zu einer ganz persönlichen Angelegenheit, die sie nach ganz persönlichen Maßstäben zu beeinflussen und möglicherweise sogar zu entscheiden suchte.
Das gibt ihren Briefen den Charakter, hebt sie über die Trockenheit modemer Staatspapiere in jene Sphäre, in der Verstand und Seele zu einer unlösbaren Synthese leidenden Menschentums zusammenschmelzen. Sie hören auf, politische Akte zu sein, sind nur noch Entladungen eines übervollen Frauenherzens, das sich täglich und stündlich auswirken muß, weil es sonst zerspringen müßte vor Unruhe und Sorge und Sehnsucht. Und so wollen sie in erster Linie als Liebesbriefe gelesen werden — Liebesbriefe einer Frau von vierzig Jahren, die noch immer so mädchenhaft und so bräutlich empfindet wie in jenen nie vergessenen Frühlingstagen in Friedberg und Koburg, wo der Zar ihr scheues Herz gefangennahm; Liebesbriefe einer Frau von vierzig Jahren, die in den zwei Jahrzehnten ihrer Ehe erfahren hat, daß sie ihrem Gemahl eine Stütze sein muß, eine Mitarbeiterin, die ihm in allen Fragen