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Buch
Ein harmloser Urlaubsflirt - so fängt es an. Im paradiesischen Kurort Sotschi am Schwarzen Meer lernt die deutsche Ärztin Dr. Irene Walther einen russischen Ingenieur kennen. Und als die Ferien zu Ende gehen, weiß Irene, daß sie Boris nie mehr vergessen wird. Aus Sympathie ist leidenschaftliche Liebe geworden. An ihre Arbeitsstätte nach München zurückgekehrt, hat Irene freilich kaum mehr Hoffnung, ihn wiederzusehen.
Ein Vierteljahr darauf wird eine Maschine der sowjetischen Aeroflot auf dem Flug nach Prag von einem russischen Passagier zur Landung in München gezwungen. Der Entführer: Boris. Er erhält politisches Asyl und wird von Irene aufgenommen, um derentwillen er alles im Stich gelassen hat: seinen Beruf, seine Karriere, sein Vaterland. Doch nun geraten die beiden Liebenden in das gefährliche Spiel der Geheimdienste
Sie saß zum ersten Mal auf einem Maulesel und wußte nicht zu sagen, weshalb sie sich eigentlich in den harten, zerschlissenen Ledersattel hatte heben lassen. Die anderen Mitglieder der Reisegesellschaft hatten die Maulesel mit großem Hallo begrüßt, und plötzlich stand so ein geduldiges Tier auch vor ihr, und ein freundlich lächelnder Mann sagte in gebrochenem Deutsch: »Gospoda, auch reiten?« Sie hatte kaum genickt, da fühlte sie sich schon hochgestemmt, und nun hockte sie auf dem leicht bebenden Rücken.
Sie nahm die Lederzügel, mit denen sie nichts anzufangen wußte, in die Hände und kam sich reichlich dumm vor. Das Stimmengewirr um sie herum klang in ihren Ohren wie das kreischende Gesumm übergroßer Bienen. Gleich trotten wir durch die Landschaft, dachte sie, Esel hinter Esel, und wiegen uns in dem Hochgefühl, reiten zu können! Wie kindisch man doch werden kann. Es wäre besser gewesen, im Hotel zu bleiben, auf dem Balkon zu liegen und über das Meer zu blicken. So hatte sie es schon seit zwei Wochen gehalten, hatte sich abgesondert, sich verkrochen, immer wie auf der Suche nach sich selbst. Dieser Ausflug zu den staatlichen Teeplantagen von Dagomys war ein Fehler gewesen; das Lachen der Menschen tat ihr fast körperlich weh.
Sie sah sich um und überlegte, ob sie nicht absteigen und auf diesen dummen Touristenritt verzichten sollte. Aber dazu war es schon zu spät. Die Kolonne setzte sich in Bewegung, voraus ritt ein Führer in der Tracht der Krasnoda-