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VORWORT
L
EBER den Wert der Reußschen Übersetzung des Alten Testamentes hat das Vorwort des ersten Bandes sich ausgesprochen. Ihr Hauptvorzug ist das feine poetische Nachempfinden, mit dem der Straßburger Theologe das Alte Testament verdeutscht hat. In dem vorliegenden Bande, der die hebräische Liederdichtung enthält, tritt es besonders deutlich hervor, welch ein Meister Eduard Reuß als Übersetzer gewesen ist.
Trotzdem sind gerade in diesem Bande zahlreiche Änderungen an dem Texte der Reußschen Übersetzung vorgenommen. Der Grund ist folgender: Seit Jahrzehnten ist die Frage nach der Form der hebräischen Dichtung eifrig erörtert. Viel Zeit und Mühe ist darauf verwandt, die Gesetze der hebräischen Metrik zu finden. Reuß stand diesen Versuchen sehr skeptisch gegenüber. Er hielt es für höchst wahrscheinlich, daß die alten Israeliten eine eigentliche Metrik nie gekannt hätten. Dieser Standpunkt ist heute nicht mehr zu halten gegenüber den Fortschritten, welche die Erforschung der hebräischen Metrik in den letzten Jahren gemacht hat. Zwar sind längst nicht alle Fragen gelöst, aber das eine ist doch heute sicher, daß auch die hebräische Dichtung von ganz bestimmten Formgesetzen beherrscht wird. Dann ist es aber auch wünschenswert, daß eine moderne Übersetzung den rhythmischen Charakter der hebräischen Liederdichtung möglichst deutlich hervortreten läßt. Aus diesem Grunde wesentlich sind die Änderungen an dem Reußschen Texte vorgenommen.
Braunschweig, Pfingsten 1909. DER HERAUSGEBER.
Die Bücher der Bibel. VI
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