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Vorwort
Noch immer wird in den Kirchen in aller Welt im Gefüge des sonntäglichen Gottesdienstes eine Predigt als Auslegung biblischer Texte gehalten. Dies geschieht in einer Christenheit, die gegenwärtig in einer Zeit atemberaubender Brüche und Übergänge in Auswirkung weltweiter Prozesse in Politik und Ge-sellsdiafl:, Wissenschaft und Technik wohl die tiefste Krise in ihrer gesamten bisherigen Geschichte zu durchleben hat. Auf ökumenischer Ebene und im Bereich der örtlidien Kirchengemeinden werden die Reformen kirchlicher Strukturen und Organisationen, die Gestaltung des Gottesdienstes, die Frage nach einem neuen Lebensstil und die Verantwortung der christlichen Gemeinde für ein soziales und gesellschaftspolitisches Engagement auf dem Wege zu Gerechtigkeit und Frieden leidenschaftlich diskutiert. Im kirchlichen Binnenraum sind die Gemeindeglieder von den Spannungen zwischen einer sogenannten modernen Tlieologie mit ihrer historisch-kritischen Schriftauslegung und einer durdi die kirchlichen Traditionen weithin fundamentalistisch oder individualpietistisch geprägten Gemeindefrömmigkeit beunruhigt und bewegt. Im Zerfall des religiösmythischen Zeitalters sind das noch in jüngster Vergangenheit unter dem Zeidien der Identität von Christengemeinde und Bürgergemeinde allgemein bejahte und öffentlich gewürdigte Christentum und die damit verbundenen, auch gesellschaftlich anerkannten kirchlichen Konventionen in ihrer Selbstverständlichkeit unterminiert.
Die Gemeindeglieder als Predigthörer sind im Alltag und Beruf, in der Wohngemeinschaft und am Arbeitsplatz mit Menschen verbunden, die nicht nur der Kirche als Institution, sondern dem christlichen Glauben selbst als einem Relikt aus einer nun zu Ende gehenden Epoche der Menschheitsgeschichte in Distanz gegenüberstehen. Als überzeugte Atheisten vermögen sie die christliche Botschaft nicht nur wegen ihrer Verflochtenheit mit antiquierten Weltbildern und anachronistischen Sozialstrukturen, sondern wegen der Unmöglichkeit nicht mehr zu verstehen, die im Kern dieser Botschaft begegnende Rede von Gott als Aussage von einer die Menschheit und den einzelnen Menschen unbedingt angehenden Wirklichkeit zu begreifen. Die tägliche Gemeinschaft der Arbeit, der Gespräche und Begegnungen, des gesellschaftlichen und geselligen Lebens von Christen und Nichtchristen nötigt die Christen - auch wenn Dialoge über die Grundfragen des christlichen Glaubens nicht stattfinden - zur „Verantwortung vor jedermann,
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