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Vorwort
Das vorliegende Buch ist aus Vorlesungen entstanden, die ich für Studierende der Ingenieurwissenschaften an der Technischen Hochschule in Graz gehalten habe, sowie aus Diskussionen am Kaiser-Wilhelm-Institut für physikalische Chemie und Elektrochemie in Berlin-Dahlem, wo unter der Leitung von Prof. Dr. Thiessenin vorbildlicher Weise die Zusammenarbeit der verwandten naturwissenschaftlichen Disziplinen und der Mathematik gepflegt und gefördert wird.
Das gesamte Werk umfaßt den Stoff, den jeder angehende Ingenieur und Physiker, um so mehr natürlich jeder Mathematiker in den ersten vier Semestern seines Studiums in sich aufnehmen und verarbeiten sollte. Auch ein Physiko-Chemiker wird nur wenig davon streichen dürfen, wenn er die Literatur seines Faches verstehen und am Fortschritt der Forschung aktiv teilnehmen will. Die Mathematiker bezog ich ein, weil ich immer und immer wieder die Erfahrung gemacht habe, daß Studierende der Mathematik, überzeugt von der Reinheit ihrer Wissenschaft, vor allem aber überhaupt von sich selbst, durch vier Semester die logischen Grundlagen der Mathematik studierten, um dann im fünften Semester ihr mathematisches Studium in einer Vorlesung für Praktiker neu zu beginnen. Umgekehrt ist die Reihenfolge richtig! Erst soll sich der junge Studierende einen möglichst weiten Überblick über das ganze Gebiet verschaffen, das zu beackern und zu erschließen er sich vorgenommen hat, ehe er es unternimmt, an bestimmten Stellen in die Tiefe zu graben und nach Edelsteinen zu suchen. Naturwissenschaftliche Begriffe und Vorstellungen sind dabei für den Mathematiker mindestens ebenso wichtig und nutzbringend wie mathematische für den Naturwissenschaftler! Da dieses Buch indessen in erster Linie für den Natur- und Ingenieurwissenschaftler geschrieben ist, so mußte der Wunsch nach mathematischer Strenge und Vollständigkeit oft hinter pädagogischen und praktischen Gesichtspunkten zurücktreten.
Besonderer Dank gebührt dem Verlag Hirzel dafür, daß er durch Aufnahme der vielen Beispiele und Zeichnungen, die nun einmal eine Vorlesung für Praktiker zu begleiten pflegen, das Buch auch zum Selbststudium geeignet gemacht hat. Danken möchte ich auch meinem ehemaligen Assistenten Herrn Dr. Franz Fiala für wertvolle Unterstützung bei der Herstellung des Manuskriptes.
Möge dieses Buch ein wenig dazu beitragen, die Kluft, die heute zwischen dem Hochschulwissen und den Erfordernissen der Forschung gähnt, zu überbrücken, und möge es helfen, dem schaffenden Naturwissenschaftler und Ingenieur die eigene Fachliteratur wieder genießbar zu machen.
Berlin-Dahlem, 1942
B. Baulo
Vorwort zur dritten Auflage
Die erste und auch die zweite Auflage dieses Buches waren schon nach wenigen Wochen vergriffen. Diese Tatsache beweist mir, daß der Inhalt und die Form der Darstellung dem Verlangen der Leser, für die das Buch bestimmt ist, weitgehend gerecht wird. Ich konnte daher dem Wunsche des Verlages, nochmals eine im wesentlichen ungeänderte Auflage erscheinen zu lassen, mit gutem Gewissen zustimmen.
Verbesserungsvorschläge nehme ich von kritisierenden Fachleuten wie von lernenden Lesern dankbar entgegen. Die ersteren sehen die logischen, die letzteren spüren die pädagogischen Lücken. Mit Unterstützung beider entwickelt sich vielleicht diese ursprünglich nur als Lehrbehelf gedachte und für die eigenen Hörer bestimmte Nachschrift meiner Vorlesungen zu einem Buch, aus dem die studierende Jugend und die schaffende Praxis in gleicher Weise Nutzen ziehen kann.
Berlin-Dahlem, 1944 B. Baule
Vorwort zur achten Aullage
Die schnelle Aufeinanderfolge der bisherigen Auflagen in Leipzig und Wien hat mich bewogen, an der alten Ordnung des Stoffes und an der Art seiner Behandlung im großen und ganzen festzuhalten. Zur Erleichterung des Verständnisses wurden eine Anzahl Kapitel neu gefaßt, ergänzt und erweitert, wobei gleichzeitig die Symbolik, soweit das nötig war, im Sinne der neuesten Normung geändert wurde.
Was den Umfang des in den sieben Bä,nden behandelten Stoffes anbetrifft, so stehe ich nach wie vor auf dem Standpunkt, daß dieser Stoff den Studierenden jeder Technischen Hochschule im Laufe der normalen Studienzeit geboten werden sollte. Das setzt allerdings voraus, wie ich schon im Nachwort zur ersten Auflage schrieb, „daß sich der Vortragende nicht in Existenz- und Eindeutigkeitsbeweisen verliert, daß er vielmehr nach Überwindung der Niederungen den Mut hat, mit dem Schüler an der Hand über gefährliche Stellen hinwegzuspringen, ohne viel von den Gefahren zu reden, die am Wege lauernNur so ist es möglich, in der verfügbaren Zeit jene Höhe zu gewinnen, die einen guten Überblick über das weite mathematische Land gestattet und von der aus mit einiger Sicherheit der richtige Weg für die Lösung der verschiedenen Probleme der Naturforschung und der Technik erkannt werden kann". Die mathematischen Gebiete, auf denen heute neben der mathematischen Forschung zugleich auch naturwissenschaftliche und technische Forschung betrieben wird, sind so groß und so mannigfaltig geworden, daß es ein aussichtsloses Bemühen wäre, in einer zusammenfassenden Darstellung den Wünschen aller Beteiligten gerecht werden zu wollen.
Graz, 1953
B. Baule