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Mecklenburg - behutsame Annáherung IMecklenburg war in meinen Gedanken wie der ewige Schlaf, ich kannte dicsen Landstrich nur bei Nacht. Denn zur Geisterstunde stieg ich in den Zug, er brachte mich aus dem Land der tausend Schlote ans Meer, das ich im Morgengrauen wie cinen Wirklichkeit gewordenen Traum anlachelte. Nach drei Wochen verlieG ich die Küste auch erst, nachdem ich die Sonne ins Meer sinken sah. Auf diese Weise war Mecklenburg natürlich immer Nacht, die zwischen Küste und Saale herrscht. Mecklenburg habe ich inzwischen bei Tage gesehen. Zwölf Jahre lebte ich dort, wo der Blitz wirklich oft erst nach dem Donner einschlágt. Aber in eine einzigartige Landschaft, in die Sonne und Wolken zu jeder Jahreszeit ganz verschiedenartigeFarb- undLichtspiele zaubern. Im Sommer und Herbst herrscht ein fast unerschöpflicher Reichtum an Farben - ohne wandernde Wolkenschatten, die die Wogenbilder der Felder und das Smaragdgriin der Walder verstárken, ohne das neckische Spiel der huschenden Sonnenlichter ist für mich Mecklenburg einfach nicht vorstellbar. Einst verspottet, nun bewundert: Mecklenburg, das es gibt und doch nicht gibt. Zwischen Ostsee und Havelquellen, Elbe und Ucker, selten so trist und kaum so flach, wie man es sich vorstellt. Die Mecklenburger Schweiz beispielsweise. Keiner weifi genau, wo ihr Anfang und wo ihr Ende ist - hinter jedem Hügel eine neue landschaftliche Überraschung, die es zu entdecken lohnt. Was man am wenigsten vermutet, ist fast überall: die Peene. Kleiner, vielquelliger Flufi, hier grabenschmal und dort wildwasserschlángelnd, mancherorts im Moor verschwindend. und dann wieder als kilometerlanger Zungenbeckensee auftauchend, gelegentlich in schnurgerade Kanálé gezwángt. Der Mensch hat jedoch nicht nur Wasser in seine ordnende Hand genommen, ihm bot sich üppige Natúr in ihrer ganzen Vielfalt dafür an. Selbstredend beging er in Jahrhunderten auch vielerlei Sünden an ihr, glücklicherweise fernab von urbaner Zivilisation; alsó liefert Mecklenburg reichlich Hoffnung für die schöne Vision einer grofíen Harmonie: Mensch als vernünftiger Teil der Natúr und nicht als ihr unvernünftiger Despot. Kurzum, man lernt