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Das mächtige Gebäude, in dem das Ägyptische Museum in Kairo, in Midan el-Tahrir untergebracht ist, wurde von dem französischen Architekten Marcel Dourgnon entworfen, der einen internationalen Wettbewerb gewonnen hatte. In dem Museum ist heute die bedeutendste und umfassendste ägyptische Kunstsammlung der Welt aufbewahrt, sein Entstehen aber war von Schwierigkeiten und Hindernissen begleitet. Europa hatte schon seit dem XVIII Jahrhundert sein Interesse auf die ägyptischen Altertümer gerichtet: der Feldzug Napoleons im lahr 1798, die Entdeckung des Steins von Rosette im darauffolgenden Jahr, und vor allem die Veröffentlichung der achtzehn Bände der Description de l'Egypte zwischen 1809 und 1816 gaben einerseits dem Studium der ägyptischen Kultur eine streng systematische Richtung, andererseits aber wuchs der Appetit derjeniger, die schon angefangen hatten, Altertümer wie Sarkophage, kleine Statue, Ska-rabäuskäfer zu sammeln. Auf ägyptischem Boden hatten in der Tat zahlreiche Persönlichkeiten ihren Wohnsitz und die Gaben, die grosszügige Paschas an ihre Gäste reichlich verteilten, wurden absolut nicht verschmäht. An erster Stelle waren es die Konsule der verschiedenen europäischen Länder, die Antiquitäten einheimsten: Drovetti, französischer Konsul und sein Agent Rifaud: Salt, englischer Konsul, der sich der Hilfe Belzonis aus Padua und caviglias aus Genua bediente: Giuseppe di Nizzoli aus Triest, Kanzler der Österreichischen Gesandtschaft. Die Sammlungen, die auf diese Art und Weise entstanden, wurden später in Europa verkauft, und sie bildeten den ursprünglichen Kern ägyptischer Kunstschätze in den verschiedenen europäischen Museen, wie Turin, Paris, London und Berlin. Für den künstlerischen und archäologischen Bestand des Landes war das ein grosser Schaden, und schon 1830 er-suchte ein Gelehrter wie Champollion den Pascha Mohammed Ali darum, einen Wachdienst zu bilden, der sich um die Erhaltung der Denkmäler kümmern sollte. Der Leichtfertigkeit wurde von 1834 ab etwas Einhalt geboten, und an den Ufern des Ezbekiahsees wurde das erste Museum gegründet, und die Gegenstände allmählich katalogisiert. Dieser Anfangsbestand wurde bald an einer geeigneteren Stelle untergebracht, und zwar in der Zitadelle in Kairo: die Funde waren damals noch dermassen geringfügig, dass sie alle in einem einzigen Raum Platz fanden! Hier sah sie im lahr 1855 der Erzherzog Maximilian von Österreich, der auf der Durchreise durch Kairo war, und er bat den Pascha Abbas, ihm einige Stücke zu schenken: der Pascha hingegen gab ihm alles, was sich in jenem Raum befand, und so ist das erste, ursprüngliche Ägyptische Museum Kairos heute in Wien zu sehen! Glücklicherweise war es Auguste Mariette, einem der Leiter des Louvre, der auch nach Ägypten gesandt worden war, um Altertümer zu sammeln, am 1. Juni 1858 gelungen, sich als Mamour ernennen zu lassen, d.h. als Leiter der Ausgrabungen. Dank des Drucks, den man zur Erhaltung der ägyptischen Denkmäler auf Khedive Said ausübte und nicht zuletzt dank der einflussreichen Unterstützung des Generalkonsuls und bedeutender französischer Geschäftsleute kam es soweit, dass Mariette den alten Sitz einer Flussschif-fahrtsgesseüschaft in Boulak, einem kleinen Hafen in der Nähe Kairos, benutzen durfte. Mariette zog mit seiner Familie dorthin (er blieb bis zu seinem Tod in Kairo) und rief das erste Nationalmuseum in Gebiet des Mittleren Orients ins Leben: die offizielle Einweihung fand am 18. Oktober 1863 statt.1891 wurden die Sammlungen in den Palast in Gizeh verlegt, und 1902 kamen sie endlich an ihren jetzigen Ort.3