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Vorwort
Als Kaiser Haile Selassie von Äthiopien im Oktober 1971 die Volksrepublik China besuchte, erklärte er:
»Wer immer heute von China spricht, erwähnt im selben Atemzug auch seinen großen Führer, den Vorsitzenden Mao Tsetung. Denn das Leben des Vorsitzenden Mao spiegelt die wesentlichen Begebenheiten der Gesdiichte des Neuen China wider. Es kommt nicht oft vor, daß ein einzelner die Geschichte seines Volkes so entscheidend prägt.«
In diesem Geist ist auch The Morning Deluge geschrieben worden. Die Morgenflut will nicht die Biographie eines einzelnen Helden sein, eines Genies, eines absolut herrschenden Cäsar, eines über die Menge hinausragenden Übermenschen, der Volk und Ereignisse manipuliert. Vielmehr soll das Werk - anhand von Episoden aus dem Leben des Vorsitzenden Mao, vor allem anhand seiner Entwicklung als Revolutionär und Denker - die Geschichte der diinesischen Revolution erstehen lassen. Das vorliegende Buch wurde weder von offizieller Seite in Auftrag gegeben, noch wurde um irgendeine offizielle Billigung nachgesucht. Die Verantwortung trage ich als Verfasserin allein. Der chinesischen Regierung bin ich zu Dank verpflichtet für die Erlaubnis, zahlreiche Menschen zu interviewen, die all diese Ereignisse, die Revolution und den Langen Marsch, miterlebten - Menschen aus dem Volk, deren Zeugnis von überragendem Wert ist. Viele sogenannte Mao-Biographien sind von einer heroischen Betraditungsweise getragen und zeichnen das Bild eines Menschen, der die Geschichte nach seinem Willen formt, hilflosen Millionen seine Vorstellungen aufzwingt und blinden Gehorsam fordert. Doch nichts könnte der Wirklichkeit weniger entsprechen. Diese falsche Optik kommt zum Teil daher, daß die Schilderung vieler Ereignisse auf Aussagen abgefallener Mitglieder der Kommunistischen Partei oder auf Kuomintang-Quellen basiert.