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GOETHE ÜBER NATÚR UND NATURERKENNTNIS. Es geht doch nichts über die Freude, die uns das Studium der Natúr gewahrt. Ihre Geheimnisse sind von einer unergründlichen Tiefe, aber es ist uns Menschen erlaubt und gegeben, immer weitere Blicke hineinzutun. Und gerade dafi sie am Ende doch unergründlich bleibt, hat für uns einen ewigen Reiz, immer wieder zu ihr heranzugehen und immer wieder neue Einblicke und Entdeckungen zu versuchen." (Zu Eckermann 1831). Ohne meine Bemühungen in den Naturwissenschaften hatte ich jedoch die Menschen nie kennen gelernt, wie sie sind. In allén anderen Dingen kann man dem reinen Anschauen und Denken, den Irrtümern der Sinne wie des Verstandes, den Charakterschwachen und -starken nicht so nachkommen, es ist alles mehr oder weniger biegsam und schwankend und lafit alles mehr oder weniger mit sich handeln; aber die Natúr versteht gar keinen Spafí, sie ist immer wahr, immer ernst, immer strenge, sie hat immer recht, und die Fehler und Irrtümer sind immer des Menschen. Den Unzulanglichen verschmaht sie und nur dem Zulanglidien, Wahren und Reinen ergibt sie sich und offenbart ihm ihre Geheimnisse. Der Verstand reicht zu ihr nicht hinauf, der Mensch mufi fahig sein, sich zur höchsten Vernunft erheben zu können, um an die Gottheit zu rühren, die sich in Urphanomenen, physischen wie sittlichen, offenbart, hinter denen sie sich halt und die von ihr ausgehen." (Zu Eckermann 1829).