Die großen Gleichstellungskämpfe um Abtreibung, Arbeit und Ehe sind ausgefochten, wir haben eine Kanzlerin und noch nie in der Geschichte waren so viele Frauen so erfolgreich wie heute. Aber haben wir tatsächlich genügend Frauen auf der Kapitänsbrücke, wenn es gleichzeitig wieder hoffähig wird, zu behaupten, die Frau sei fürs Emotional-Familiäre, der Mann fürs Geldverdienen zuständig? Wurde die Emanzipation verspielt? An welchen Rollenmodellen sollen sich Frauen orientieren, jenseits der überzogenen Forderungen, jede müsse...
Die großen Gleichstellungskämpfe um Abtreibung, Arbeit und Ehe sind ausgefochten, wir haben eine Kanzlerin und noch nie in der Geschichte waren so viele Frauen so erfolgreich wie heute. Aber haben wir tatsächlich genügend Frauen auf der Kapitänsbrücke, wenn es gleichzeitig wieder hoffähig wird, zu behaupten, die Frau sei fürs Emotional-Familiäre, der Mann fürs Geldverdienen zuständig? Wurde die Emanzipation verspielt? An welchen Rollenmodellen sollen sich Frauen orientieren, jenseits der überzogenen Forderungen, jede müsse Karriere machen und gleichzeitig das deutsche Volk vor dem Aussterben bewahren? Und wer außer den Frauen soll unsere Gesellschaft voranbringen, wenn die Männer im Wesentlichen damit beschäftigt sind zu jammern, dass früher alles besser war?Thea Dorn und elf meinungsmachende Frauen diskutieren über Männer und Frauen, Kinder und Beruf, Politik und Gesellschaft und setzen die Agenda für die Zukunft.Was bisher geschahIch wuchs im festen Glauben daran auf, dass der Tag 24 Stunden hat, die Erde eine Kugel ist und der Feminismus überflüssiger als Fäustlinge im Hochsommer. Oder wie es eine Generationskollegin vor nicht allzu langer Zeit formulierte: Die Schlachtfelder des Geschlechterkampfes sind leer. Aber sind sie es wirklich? Oder kommt zu dieser forschen Einschätzung nur, wer den Wunsch zur Mutter des Gedankens macht?Meine philosophische Lehrerin pflegte in Seminaren zu schnauzen: Da verwechseln Sie schon wieder faktisch mit normativ! Das tat sie stets dann, wenn ein argloser Student aus der Forderung, der Mensch möge edel, hilfreich und gut sein, ableitete, dass der Mensch automatisch edel, hilfreich und gut ist. Verhält es sich bei der Frage des Geschlechterkampfes nicht ebenso? Aufgeklärte Zeitgenossen, allen voran unser Grundgesetz, vertreten die Ansicht, dass Männer und Frauen gleichberechtigt sein sollen. Schließen wir aus diesem Umstand nicht in derselben naiv-falschen Weise, dass Männer und Frauen in unserer Gesellschaft tatsächlich gleichberechtigt sind?Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik haben wir eine Bundeskanzlerin - deren Berufsbezeichnung es sogar zum Wort des Jahres 2005 brachte. Auch der Generalbundesanwalt ist zum ersten Mal eine Frau. Sonntagszeitungen überbieten sich mit Reportagen über starke Frauen und Macherinnen. Wir sind Fußballweltmeisterin, und selbst die Biathletin Uschi Disl, einst als Flintenweib bespöttelt, wurde zum Ende ihrer Karriere, von Fans und Sportreportern gleichermaßen, als Turbo-Disl verehrt. Frauen dürfen im Fernsehen das Aktuelle Sportstudio und seit einer Weile sogar die Sportschau moderieren. Als Kommissarinnen dürfen sie Mörder jagen, als Talkshow-Gastgeberinnen Politiker befragen. Sind also alle Kämpfe an der Geschlechterfront nur noch Schattenkämpfe?
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