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Zum Inhalt
Der Tod ereilte ihn am 20. Juni zwischen zwei Terminverpflichtungen. Bruno Friedrich hat sich bis zuletzt nie selbst geschont, auch dann nicht, als die schwere Herzerkrankung, an der er litt, ihm nahelegte, mehr Rücksicht auf den eigenen Körper zu nehmen.
Fast 19 Jahre lang, seit dem Herbst 1968, gehörte Bruno Friedrich dem Redaktionsbeirat der „Neuen Gesellschaft" bzw. der seit Anfang 1985 vereinigten Zeitschrift „Die Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte" an. Ihm, dem langjährigen Redakteur der „Frankenpost", war es Bedürfnis und Verpflichtung zugieich, über all die Jahre freundschaftlichen Kontakt zur Redaktion dieser Zeitschrift zu halten. Immer war er voller phantasiereicher Pläne für Artikef, die er schreiben wollte und die dann meist doch nicht zustandekamen, weil das aufreibende politische Tagesgeschäft im Bundestag, im Europaparlament und im heimischen Parteibezirk Franken ihm keine Muße ließ.
Wenn er jedoch schrieb, verfehlten seine Artikel ihre Wirkung nie. Ende 1984 etwa geißelte er in dieser Zeitschrift öffentlich den „Organisationspartikularismus" des damaligen bayerischen SPD-Landesvorsitzenden. Aufsehen erregten im Sommer 1979 zwei Artikel über die Führungsstruktur und die Zukunftsfähigkeit der Sozialdemokratie. Er beklagte darin die geistige Verödung seiner Partei, die ihn, den Schüler und Mitarbeiter Waldemar von Knoe-ringens, besonders schmerzlich ankommen mußte. „Das Gespräch mit der jungen Generation, mit der Wissenschaft, mit Intellektuellen, mit Künstlern ist so gut wie abgerissen", schrieb er damals, und er fügte hinzu: „Es geht um eine geistig und morafisch motivierte Partei, die nicht durch eine an Demoskopie orientierte Materialschlacht ersetzt werden kann."
Die „Zukunftsfähigkeit" der Sozialdemokratie setzte für Bruno Friedrich die „Wiederherstellung der Atmosphäre der Hoffnung" voraus. Ihm war klar: „Zügellosigkeit im Wachstum wird die Hoffnungen der Menschen zerstören, nicht erfüllen." Und so hatte er denn auch als erster den Mut, ein Tabu zu durchbrechen, indem er das Grundsatzprogramm der SPD zur Disposition stellte: „Falsch wäre es, für die Zukunftsprobleme das Godesberger Grundsatzprogramm als eine Art Bibel zu verwenden."
Mit einem von ihm initiierten Antrag seines Bezirks Franken auf dem Münchener SPD-Parteitag 1982 brachte er die Diskussion um ein neues Grundsatzprogramm auf den Weg. Über den Begriff der Pofitischen Kultur im Irseer Programmentwurf plante er einen grundsätzlicher angelegten Beitrag zu schreiben. Er ist nicht mehr dazu gekommen.
Die Redaktion wird dem Freund Bruno Friedrich
ein ehrendes Angedenken bewahren.
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Zu den Themen, bei denen sich der neue Programmentwurf der SPD am deutlichsten vom alten Godesberger Programm abhebt, gehört zweifellos das der gesellschaftlichen Gleichstellung von Frau und Mann. Zwar wartet der Irseer Entwurf mit einem eigenen „Frauenkapitel" auf, doch NG/FH-Autorin Annette Kuhn moniert in ihrem einleitenden Beitrag zum Schwerpunktthema dieses Heftes, daß die dort niedergelegten, durchaus richtigen Einsichten in den übrigen Fachkapiteln des Entwurfs keinerlei Niederschlag finden. Viele Leser und wohl auch manche Leserinnen werden diese Kritik aus feministischer Sicht für zu hart oder für überzogen halten - die Diskussion darum wird sicherlich nicht lange auf sich warten lassen.
Nirgendwo sonst tritt die Kluft zwischen Verfassungsanspruch und Verfassungswirklichkeit, zwischen den verbal proklamierten hehren Zielsetzungen der Gleichstellung und den real praktizierten Machtverhältnissen zwischen den Geschlechtern in unserer Gesellschaft deutlicher zutage. Die weiteren Beiträge zum Schwerpunktthema versuchen dies für die jeweiligen Bereiche der Politik und der politischen Kultur zu belegen.
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Die Produktionsbedingungen dieses Heftes (und wohl auch noch des nächsten) sind außerordentlich kompliziert und schwierig. Nach zwölf Jahren muß die Redaktion ihr Domizil in der Godesberger Allee 143 verlassen und just in diesen Tagen in ein neues umziehen. Einstweilen müssen wir uns, als letzte noch in dem trostlos leer gewordenen alten Verlagsgebäude residierend, mit Provisorischem und Improvisiertem begnügen. Wenn dieses Heft seine Leserinnen und Leser erreicht haben wird, beginnt, unter neuer Adresse (siehe Impressum), mitten unter den Umzugskartons bereits die Produktion des nächsten Heftes. Bleibt uns zu hoffen, daß dem Produkt die widrigen Bedingungen seiner Entstehung nicht anzumerken sein werden. R-D.