Bővebb ismertető
Dieses Heft versucht, den Verschwörungstheorien nachzugehen, in denen sich Millionen von Menschen die schweren Zusammenhange entschlüsseln, die man Geschichte zu nennen pjlegt. Die jüdische Weltverschwörung und die Freimaurer sind die bekanntesten Beispiele jenes Komplott-Denkens, wie es von Jürgen Roth in seiner Übersicht dargestellt wird. Unsere Autoren habén aber noch viele andere entdeckt; so analysiert Gerd Koenen, einst Mitbegründer des kbw, den Marxismus-Leninismus, und Josef-Thomas Göller ist Joe McCarthys panischen Kommunismusverdachtigungen auf der Spur. Die Bereitschafl, mysteriöse Verabredungen und raffinierte Orden am Werk zu sehen, existiert links und rechts. Das heijlt natürlich nicht, daji Verstrickung, Tauschung und Verabredung immer Hirngespinste sein müssen. Die Mafia war (und ist) eine Struktur, die sich in der Tat verschworen hat. Áhnliches galt für die (inzwischen zerschlagene) Stasi; und daji John F. Kennedy einer Konspiration zum Opfer fel, istjedenfalls nicht auszuschliejien. Weltformeln führen in die írre; Theorien mittlerer Reichweite können durchaus ein paar Zusammenhange erklaren. Mijitrauen ist besser als Naivitat. Wenn einer am Spieltisch des Lebens allerdings ein System entdeckt hat, ist der Bankrott nahe. Unser Jahrhundert-Rückblick im Januarheft hat heftige Reaktionen provoziert, positive und negatíve. Der kalte Blick von untén, der Blick auf die Details, das Lebensgewusel, die Popularkultur, die Gegenwelt hat viele auf gestört, viele auch irritiert. Besonders geschmerzt hat uns die Kritik eines uralten Freundes, der von Skandal sprach. Ernst Reuter und Kurt Schumacher keimen gar nicht vor. Die bahnbrechenden Leistungen der Regierungen Brandt und Schmidt seien nicht ausreichend gewürdigt. Von Irrtümern einmal abgesehen - Schumachers Rolle zum Beispiel ist prazise beschrieben. Die Pointe unseres Approachs lag gerade in der Konzentration auf Alltagsgeschichte. Politiker-Politik bewirkt weniger, als Politiker vermuten. Sollten wir uns nicht gelegentlich mit dem auseinandersetzen, was sich im kulturellen Gedachtnis der Massen sedimentiert? Sorry, das ist eben eher Toni Turek als sozial- (und christ)demokratische Heldentenöre. Diese Erkenntnis tut höllisch weh. Sie könnte aber wichtig sein. Don't forget; das ist das Motto aller Kulturzeitschriften (deren Existenz immer prekarer wird). Wir habén diesmal drei sanfte Nekrologe im Blatt: Über Niklas Luhmann (Detlef Horster), über Thomas Bernhards íojahrigen Todestag (Román Pliske) und über Erich Kástner (Wieland Freund) - der ware heuer hundert geworden. Drei Texte voller Empathie. Da mag man der Systemtheorie, der österreichischen Suada und der Idealisierung der Kinder noch so sehr mijitrauen - noch hinterlassen Autoren - die im Zeichen des Internet angeblich verschwinden - emotionale Spuren. Schön. Inzwischen gerat das Label Dritter Weg in die Schlagzeilen. Blair propagiert diesen Begriff, Bodo Hombach und Peter Mandelson arbeiten, so hört man, an einem Papier dazu, Thomas Meyer lobt diese Idee. Wirfragen uns zuerst einmal, ob am dritten Weg nicht der Modergeruch des Kalten Krieges hangt. Das war ein Wort für den Kompromijl zwischen Kapitalismus und Kommunismus, zum Beispiel für Titos jugoslawische Arbeiterselbstverwaltung. Vorbei. Was könnte heute gemeint sein? Wir werden uns damit demnachst auseinandersetzen.