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Die Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte 6/1993 [antikvár]

Helmut König, Susanne Blancke, Thomas Kreuder

 
Herbert Wehner war viele Jahre Chefredakteur dieser Zeitsehrift. In diesem Juni-Heft widmen wir ihm einen knappén, kritischen Artikel Gerhard Beiers. Der frühere Leiter eines dkp-Archivs, Reiner Müller, hat Aktén aus Wehners Moskauer Zeit publiziert und kommentiert. Heinrich Breloer hat diese Aktén zu einem (spannenden, wahrhaftigen und trotzdem fairen) Film verarbeitet. AnlaS genug, eines Mannes zu gedenken, nach dessen politischem Verstand und rigoroser Durchsetzungskraft sich so mancher sehnt. Beier formuliert rüeksichtslos, aber eben...
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Herbert Wehner war viele Jahre Chefredakteur dieser Zeitsehrift. In diesem Juni-Heft widmen wir ihm einen knappén, kritischen Artikel Gerhard Beiers. Der frühere Leiter eines dkp-Archivs, Reiner Müller, hat Aktén aus Wehners Moskauer Zeit publiziert und kommentiert. Heinrich Breloer hat diese Aktén zu einem (spannenden, wahrhaftigen und trotzdem fairen) Film verarbeitet. AnlaS genug, eines Mannes zu gedenken, nach dessen politischem Verstand und rigoroser Durchsetzungskraft sich so mancher sehnt. Beier formuliert rüeksichtslos, aber eben auch ohne fromme Lügen. Er warnt vor dem aktenseligen Meldeeifer Müllers; über Wehners stalinistische Verstrickungen hatte man auch ohne die ausgewerteten Geheimakten Bescheid wissen können. Ebenso scharf wendet sich Beier gegen die offizielle Hagiographie: Wer Wehner heute in der Art einer Prásidiumserklárung der spd als einen Politiker auf den Marmorsockel stellt, um seinem Vorbild nachzustreben, der hat die Botschaft dieses groSen Lebens nicht kapiert, der macht ihn klein, dumm und unschuldig. Wehner sei kein Vorbild, sondern ein erschütterndes Beispiel, wie einer mit dem Kommunismus fertig wurde, ohne seine politische Berufung zu verlieren. Wer den Onkel gegen die Enkel ausspielt, wünscht sich allerdings Prágephasen herbei, die alles andere als wünschbar sind. Man kann nur dankbar dafür sein, daS Lafontaine, Schröder, Wieczorek-Zeul oder Scharping nicht durch ein Hotel Lux gehen mufiten. Nichts Schlimmeres als grofie Zeiten; sie produzieren groSe Figuren, aber auch groSe Leichenhaufen. Soviel Spátzeit kann doch noch nicht sein, dafi wir uns schon wieder nach groBen Zeiten sehnen? Aber vielleicht sehnt die spd sich ja auch nur nach einer stinknormalen, einigermafien kooperativen Führung; das wáre kein unverstándlicher Wunsch. Das Verfahren, nach dem ein neuer Parteivorsitzender gewáhlt werden soll - eine Art Vorwahl unter den Mitgliedern -, begünstigt zwar die Medien-Stars, hat aber den Vorteil gröfierer Verbindlichkeit. Schwer verstándlich bleibt der vom spd-Vorstand beschlossene Ablaufplan, demzufolge zuerst der Vorsitz, spater die Kanzlerkandidatur ermittelt wird. Da man es abgelehnt hat, die Trennung beider Ámter verbindlieh festzulegen, entsteht bei der Wahl eines Bewerbers, der gleichzeitig Anspruch auf die Kanzlerkandidatur erhebt, sofort ein massiver Konflikt. Die Symbolfigur Lafontaine - der nur als Kanzlerkandidat antritt - könnte bei dieser Prozedur schon Mitte Juni ins Abseits manövriert sein; oder der Herbst ist erfülít vom Getöse einer Schlacht, in der die Fetzen fliegen dürften. Warum hat man nicht anerkannt, da)3 die spd in ihrer derzeitigen Situation nicht von einem groSen Zampano, sondern nur von einem Team der stárksten Figuren an die Macht geführt werden kann? Wenn der frühere Kommunist Wehner, der skandinavisch geprágte West-Emigrant Brandt und der deutsche Weltkriegs-Offizier Schmidt miteinander kooperieren konnten - warum können es dann die Nachkriegskinder nicht? Der Schwerpunkt des Juni-Heftes liegt auf dem Thema Eins der deutschen Politik, dem ökonomischen ProzeS der Vereinigung Ost- und Westdeutschlands. Wir diskutieren die Schwáchung unserer Wirtschaft, die - verursacht durch massive Politikfehler - Deutschland in genau jenem historischen Moment heimsucht, in dem die Umwelt ihre Erwartungen an Deutschland massiv steigert. Wird, so fragen Jens Beckert und Wolfgang Vortkamp, die Krise der Wirtschaft zu einer Gefáhrdung der Demokratie? Wie handlungsfáhig ist der wiedererstandene Nationalstaat eigentlich noch unter den Bedingungen des global operierenden Kapitalismus? (Fritz Scharpf) Deutschland marschiert auf Arbeitslosigkeitszahlen zu, die noch in den 80ern dem gesamten Establishment den Atem genommen hatten. Heute schnauft der wuchtige und wurschtige Mann an der Spitze des Staats nicht einmal; er halt Warnungen aller Art für Larmoyanz. Wie lange wird das gutgehen? Die Erörterung dieser Frage unterdrücken wir für diesmal. Statt dessen gratulieren wir einem unserer Autoren zum Siebzigsten - Nicolaus Sombort. In diesem Heft schreibt er über die Aktualitát Fouriers; in einem der náchsten vielleicht über die von Mac Giavell oder Carl Schmitt. Das mag daran liegen, da6 der der Schönheit so ergebene Sombart zeitlebens auch von der Macht fasziniert war. Aber es liegt auch halt an dem, was derzeit aktuell ist.

Termékadatok

Cím: Die Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte 6/1993 [antikvár]
Szerző: Helmut König , Susanne Blancke Thomas Kreuder
Kiadó: Verlag J. H. W. Dietz Nachf. GmbH
Kötés: Ragasztott papírkötés
Méret: 160 mm x 240 mm
Helmut König művei
Susanne Blancke művei
Thomas Kreuder művei
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