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Natürlich, Irland habén wir zum wichtigsten Thema unseres September-IIeftes gemacht, weil das Land und seine Literatur im Mittelpunkt der Buchmesse stehen. Wer uns allerdings wirklich auf die Schliche kommen will, lese den Leitartikel von Dietrich Schwanitz. Der erláutert den kulturellen Separatismus des irischen Nationalismus und seine Verbindung zu jener Invention of Tradition, die die deutsche Romantik hundert Jahre früher praktiziert hatte. Im Land der Dichter und Denker gibt es ahnliche Tendenzen wie auf der Insel der Heiligen....
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Natürlich, Irland habén wir zum wichtigsten Thema unseres September-IIeftes gemacht, weil das Land und seine Literatur im Mittelpunkt der Buchmesse stehen. Wer uns allerdings wirklich auf die Schliche kommen will, lese den Leitartikel von Dietrich Schwanitz. Der erláutert den kulturellen Separatismus des irischen Nationalismus und seine Verbindung zu jener Invention of Tradition, die die deutsche Romantik hundert Jahre früher praktiziert hatte. Im Land der Dichter und Denker gibt es ahnliche Tendenzen wie auf der Insel der Heiligen. Schwanitz nennt die gefáhrlichen Begriffe beim Namen: AgrarRomantik, romantische Mystik, Folklore, Kultur der Innerlichkeit, Xenophobie. Und natürlich: Was in Irland die Deanglicisation heifít, entspricht bei Tudjman heute der Entserbisierung einer Sprache, die bis vor kurzem noch serbo-kroatisch hieB. Schwanitz schildert aber auch die kosmopolitischen Gegenbewegungen in Irland. Deren bedeutendes Zeugnis ist der groBe Román Ulysses von James Joyce. Leopold Bloom, die Hauptfigur, ist Jude und archetypischer GroBstadtbewohner. Sein Gegenbild, ein irischer Nationalist der sinn-féin-Bewegung - der nach dem Modell des Riesen Polyphem aus Homers Odyssee dargestellt wird - ist einaugig, hirnlos, primitív und gewalttátig. Der irische Konflikt wird von uns nicht nur nachgezeichnet, weil in Frankfurt Irland dran ist. Der deutsche und der irische Seelenhaushalt habén miteinander zu tun. Wer ist der deutsche Joyce? Botho Strauss jedenfalls nicht. Der benutzt zwar auch, wie Joyce, die Odyssee als Quelle. Aber er kopiert mehr, als daB er adaptiert. Und natürlich steht er auf der Seite Polyphems, jüdische Annoncen-Akquisiteure verletzten in seiner Welt das Sittengesetz. Das wird zum Beispiel bei der Bestrafung der Magde deutlich, die mit den Freiern geschlafen habén. Homer: Haut auf sie ein mit den langen Schneiden der Schwerter, bis daB sie alle ihr Leben verhauchen. Strauss: Stellt, sie vor die Mauer und schlagt sie mit Stöcken. Jagt ihnen die Seele aus dem lüsternen Leib. Und dann das geschmackvolle Zitát aus der deutschen Geschichte: Spáter erhangt sie an den Waffenhaken dort an den Wánden. So hingen im zweiten Teil von Dieter Dorns Münchener Inszenierung des Strauss-Stückes Ithaka sieben Frauen kopfüber auf der Bühne: ausgepeitscht, blutig, erhangt. Aber wer sich darüber erregte, machte sich der political correctness schuldig. Sagt Jürgen Busche. *** Eine einfühlsame Analyse der Oxforder Poetik-Vorlesungen des irischen Nobelpreistrágers Seamus Heaney hat uns Annelen Kranefuss geschrieben. Auch heute, so zeigt sie, gibt es íren, die ihrem Land treu bleiben, ohne dem Nationalismus zu verfallen. Die einen sagen Londonderry, die anderen Derry. Wichtiger ist, wie man der Erfahrung der Absurditát Sinn abgewinnt. Annelen Kranefuss war übrigens die Lebensgefahrtin unseres langjáhrigen Freundes und Beiratsmitgliedes Ulrich Gembardt, der im Márz schweigend - und andere zum Schweigen verpflichtend - hinübergegangen ist. Nur für den internen Gebrauch des wdr, der Anstalt, für die er Jahrzehnte gearbeitet hat, durfte man seinen Tod bekannt machen. Wir trauern um einen wehmütig-realistischen Aufklárer. Er war ein bedeutender Schüler unseres früheren Herausgebers Walter Dirks. *** In diesem Monat jáhrt sich der Geburtstag des groBen Romanciers Heimito von Doderer zum hundertsten Mai. Vor wenigen Monaten habén wir - im Österreich-Heft - aus seinem letzten vollendeten Román, den Wasserfállen von Slunj zitiert. Der Mann war apolitisch, opportunistisch und nur auf sein Werk bedacht. Die mitteleuropáische Geschichte der ersten Hálfte dieses Jahrhunderts ist aber in wenigen Texten so sensibel und sprachmáchtig erfaBt wie in seinen groBen Konstruktionen Die Stmdelhofstiege oder Die Dantonén. Er hat sein Wien neben das Paris Balzacs, das London Dickens', das Petersburg Dostojewskis gestellt. Wer ihn liest, wird zum Heimitisten. Aber was lesen wir schon? Botho Strauss, wenn man unseren Kritikern vertrauen darf. In der Ithaka-Premiere sollen dreihundert von ihnen gesessen habén.Peter Glotz

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Cím: Die Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte 9/1996. [antikvár]
Szerző: Andreas Schworck , Bernhard Robben , Christian Jürgens , Detlef Horster Stephan Krass
Kiadó: Verlag J. H. W. Dietz Nachfolger GmbH
Kötés: Ragasztott papírkötés
Méret: 160 mm x 240 mm
Andreas Schworck művei
Bernhard Robben művei
Christian Jürgens művei
Detlef Horster művei
Stephan Krass művei
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