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VORWORT ZUR ERSTEN AUFLAGE
In vorliegendem Buch wird zum erstenmal der Versuch gemacht, die Plastik der neueren Zeit nicht nur als eine Folge von Bildhauernamen mit biographischen Notizen zu geben, sondern geordnet nach bestimmten genetischen und ästhetischen Gesichtspunkten. In der Erstmaligkeit des Versuches, wie auch in der durch die Verhältnisse auf dem Büchermarkt bedingten nur kurzen zur Verfügung stehenden Zeit liegen die Mängel der Arbeit begründet. Besonders die erste Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts verlangte einmal eine gründlichere Durcharbeitung. Vielleicht lockt der hier gegebene Grundriß die Einzelforschung auf dieses Gebiet.
Ein Buch wie dieses, das weiteren Kreisen das im Grunde wenig beachtete Gebiet der Plastik erschließen wollte, konnte seine Aufgabe einzig darin sehen, in großen Zügen die Entwicklung darzustellen. Die entfernteren Epochen durften nur in ihren hervorragendsten Vertretern in typisierender Vereinfachung ihre Darstellung finden, zugunsten der jungen und jüngsten Vergangenheit, die durch die Tatsache ihres Gegenwärtigseins den Nachweis ihres Rechtes auf eingehendere Behandlung erbrachte.
Die Auswahl der behandelten Künstler geschah, sei es auf Grund originaler, sei es genetischer Werte. Dabei ist mancher Tüchtige nicht genannt worden, mancher Problematische erlangte unverdient die Kenntnis weiterer Kreise. Was jedoch diesen Ausführungen unbedingt fernbleiben mußte, war das nachsichtige Wohlwollen des Zeitschriftenaufsatzes. Die Urteile, die hier ausgesprochen werden, sind rückhaltlos und rücksichtslos und werden leider manchmal verstimmen. Die Verehrung für altes und historisches Verdienst, wie auch die Kameradschaft gemeinschaftlichen Lebens mußten unbarmherzig vor der kritischen Wägung des Historikers zurücktreten. Jene Künstler, die hier nicht so beurteilt worden sind, wie sie es glaubten erwarten zu dürfen, mögen sich vergegenwärtigen, daß ein wissenschaftliches Buch ein in sich genau so notwendiges und von außen her nicht zu änderndes Gebilde darstellt, wie ein Kunstwerk, das, wie sie mit Recht sagen, nur den eigenen Gesetzen gehorcht.
Dieses Buch ist ein historisches und will es sein. Der Verfasser ist erfüllt von tiefster Skepsis den Äußerungen jener gegenüber, die immer von neuem bereit sind, in panegyrischen Ergüssen zu rufen, jetzt erst sei die wahre Kunst geschaffen worden, alles Frühere sei Irrtum und Unkunst gewesen. Er ist aber ebensowenig bereit, als laudator temporis acti aufzutreten und die Kunst unserer Tage als Verirrung zu brandmarken. Hier wie dort sieht er notwendige Äuße-