Bővebb ismertető
Mit der Stiftung des Nobelpreises für Physiologie oder Medizin, der zum erstenmal im Jahre 1901 verliehen wurde, ist ein höchst eigenartiger MaBstab für den wissenschaftlichen Fortschritt geschaffen worden, der - áhnlich den Preisen für Physik und Chemie - ein fast symbolhafter Ausdruck für die Internationalitát der Medizin geworden ist und für ihre Tendenz, sich in stándiger Weiterentwicklung zum Wohle der Menschheit zu verbessern. Zwar ist der Arztschon seit Jahrtausenden im Prinzip ein internationaler Geist, aberwie oft ist er doch im Laufe der Geschichte durch obrigkeitliche Gewalt an Ketten gelegt gewesen! Wenn heute ein Nobelpreistráger, wie es leider schon mehrmals vorgekommen ist, gezwungen wird, den Preis abzulehnen, dann mu(3 diese befehlende Obrigkeit mit einer scharfen Reaktion der Weltöffentlichkeit rechnen. Viel háufiger dagegen ist die preiskrönende Jury Zielscheibe weltweiter Kritik. Das mag in der Natúr der Sache liegen, denn welcher Richter vermag es auf die Dauer jedem und aiien recht zu machen? In diesem öffentlichen Spiel, das sich alljáhrlich nach der Bekanntgabe der Preistráger im Október wiederholt, ist jedoch schon viel leeres Stroh gedroschen worden. Es ist wie mit so manchem Gerichtsurteil, das beim Publikum MiBvergnügen hervorruft: wer nicht die genaueren Umstánde und die formaljuristischen Fakten kennt, der mul3 mit seiner Kritik ins Leere treffen. Der Nobelpreis hat eine nun über sechzigjáhrige Geschichte, die Tatigkeit der Jury ist selbst ein Stück Geschichte geworden, und ihre Nominierungen dürfen langst mit der Brille des Historikers betrachtet werden. Gewisse problematische Entscheidungen, wie die der Verleihung des Preises für die Entdeckung des Insulins (1923), sind schon Themen für medizinhistorische Studien gewesen1. Um so erstaunlicher ist es, daí3 nur ein verháltnismáftig kleiner Kreis von Eingeweihten weifi, wie die Auswahl der Kandidaten vorgenommen wird und welche Gesichtspunkte von der Jury beachtet werden müssen. Und doch liegt der Schlüssel für das Verstándnis so mancher umstrittenen Wahl ganz einfach in den formaljuristischen Grenzen, die den Preisrichtern durch das Testament Nobels und seine permanente Vollstreckung gezogen sind. Das Testament Alfréd Nobels, von ihm eigenhándig niedergeschrieben am 27. November 1895 in Paris, erlaubt es keineswegs, im Laufe der Jahre die be-